01. Mai 2009 22:45
SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger ist seit dieser Woche massiv in Sachen
Grippeschutz gefordert. In einem Fall wurde das Virus „Hämagglutinine 1
Neuraminidase 1“ (H1N1) in Österreich bereits nachgewiesen. Erst gestern
wurden zwei weitere Verdachtsfälle hierzulande bekannt.
Budgetloch
Doch laut dem offiziellem Budgetpapier für die Jahre
2009 und 2010 aus seinem Ressort wird im Bereich
„Influenza-Pandemie-Vorsorge“ offenbar massiv eingespart:
- Noch im Vorjahr gab das Gesundheitsministerium für Handelswaren bezüglich
Pandemie-Vorsorge 159.472,80 Euro aus. Für 2009 und 2010 ist dieser Budgetposten
nur mehr mit 1.000 Euro vorgesehen.
- Ähnlich dramatisch die Zahlungen an Firmen bezüglich des
Influenza-Schutzes. Elf Millionen Euro gab es dafür im Vorjahr,
ebenso heuer. Doch für 2010 budgetiert Alois Stöger nur mehr
1.000 Euro.
„Vorsorge bleibt"
Aus dem Büro des
Gesundheitsministers heißt es dazu gegenüber ÖSTERREICH: „Da geht es um
Verträge, die längerfristig abgeschlossen wurden. Verträge laufen über mehr
als ein Jahr, dadurch sind Beträge immer wieder in einem Jahr budgetiert und
in dem anderen nicht. Die Vorsorge wird jedenfalls nicht zurückgefahren.“
Tamiflu läuft ab
Fakt ist: Die in den vergangenen Jahren
angeschafften Grippeschutzmasken und Vorräte an Tamiflu-Medikamenten laufen
heuer ab. Bei den neun Millionen Atemschutzmasken, die in einem Salzburger
Lager liegen, soll zwar das Ablaufdatum verlängert werden, doch im Fall des
antiviralen Medikaments ist das nicht möglich.
Parlaments-Debatte
Insider bestätigen allerdings, dass die
jeweiligen Budgetposten für die einzelnen Jahre zu rechnen sind. Das dürfte
nun auch neue Diskussionen in die am Dienstag beginnende Budgetdebatte im
Parlament bringen. Denn noch ist der Staatshaushalt von VP-Finanzminister
Josef Pröll nicht vom Nationalrat offiziell beschlossen. Pröll hat jedoch
bereits im Vorfeld signalisiert, dass ein Aufschnüren nicht mehr möglich
ist. Die Gefahr wäre zu groß, dass nun an allen Ecken und Enden neue Wünsche
an den Finanzminister herangetragen werden.
Milliarde in den USA
Zum Vergleich: Angesichts der Ausbreitung
der Schweinegrippe hat US-Präsident Barack Obama erst diese Woche den
Kongress aufgefordert, Gelder für den Kampf gegen die Infektion
freizumachen. Der Nachtragshaushalt für das Jahr 2009 müsse um 1,5
Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) erweitert werden, damit das Land für
eine mögliche Bedrohung durch die Schweinegrippe gerüstet sei. Erst gestern
wurde bekannt, dass auch Obamas Sicherheitsberater Grippesymptome aufweist
(siehe Kasten rechts).
Trotz der laufend neuen Meldungen von Ansteckungen bleiben die Österreicher
laut Umfrage allerdings gelassen: 82 Prozent der Bevölkerung hat keine Angst.