24. Mai 2009 14:08
Nach der Schießerei in einem Sikh-Gebetshaus in Wien mit einem Toten und 15
Verletzten zeigt ÖVP-Innenministerin Maria Fekter Strenge: "Wir
dulden keine Konflikte, die mit Waffengewalt ausgetragen werden." Auf
diplomatischer Ebene stehen die österreichischen Behörden mit den Kollegen
in Indien in Kontakt.
Verfassungsschutz mit Spezialauftrag
Im Bundesamt für
Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung wurde eine Schwerpunktgruppe
eingesetzt, die sich der "Abwehr von Religionsfanatikern widmet".
Es wird derzeit eruiert, welche Gruppen von religiösen Fundamentalisten in
Österreich noch betroffen sein könnten. Man müsse sich das auch im Hinblick
auf Sekten ansehen, so Fekter.
Hausdurchsuchungen
Im Raum Wien wurden bereits zwei
Hausdurchsuchungen durchgeführt. Mit weiteren Festnahmen ist laut
Staatsanwaltschaft derzeit nicht zu rechnen. Die sechs mutmaßlichen Täter
dürften in Wien gewohnt haben, drei sind der Polizei namentlich bekannt, es
handelt sich um Asylwerber aus Indien. Sichergestellt wurden mehrere Messer
- zum Teil mit 15 bis 20 Zentimeter langer Klinge - und eine Pistole Kaliber
neun Millimeter.
Guru starb in der Nacht
Der 57-jährige Guru Sant Rama Anand ist
in der Nacht auf Montag seinen Verletzungen erlegen. Zunächst waren die
Ärzte nach einer Notooperation zufrieden mit dem Zustand des Inders,
allerdings kollabierte er kurze Zeit später und starb gegen Mitternacht. Der
Zustand des zweiten 68-jährigen Gurus, Sant Niranjan Dass, ist dagegen seit
seiner Notoperation stabil.
Blutbad aus Glaubensgründen
Die beiden aus Indien
angereisten Prediger waren bei dem Attentat am frühen Sonntagnachmittag in
der Pelzgasse 17 schwer verletzt worden. Sie waren von je zwei Kugeln
getroffen worden - in Brust, Bauch und Hüfte. Auslöser des Blutbades war,
dass dem Prediger Sant Niranjan Dass und seinen Anhängern sogenannte Siropas
(Schals) überreicht wurden, was bei den Sikhs als besondere Ehrerbietung
gilt.
2 Täter in Lebensgefahr
Zwei der sechs Angreifer schweben
seit Stunden in Lebensgefahr, zwei wurden selbst schwer verletzt. Die beiden
leicht verletzten Attentäter sind bereits in U-Haft. Insgesamt gibt es 15
Verletzte, darunter vor allem Besucher der Gebetsmesse. Viele liefen im
Schock davon und dürften sich selbst um medizinische Betreuung gekümmert
haben.
2 Tote in Indien
Bei schweren Aussschreitungen in Indien nach
Bekanntwerden des Massakers in Wien sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Hier
mehr dazu .
350 Menschen sind Zeugen
Am Sonntag waren kurz nach 13 Uhr -
während der Predigt in dem Gebetshaus der Sikh-Strömung Shri Guru Ravidas -
sechs Männer plötzlich aufgestanden und mit dolchartigen Messern sowie einer
Pistole auf die beiden Gast-Prediger losgegangen. Daraufhin griffen die
Gläubigen ihrerseits die Attentäter an.
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Augenzeugenbericht: "Es war zunächst eine ganz
normale Sonntagsmesse, mehr als 100 Leute waren da. Plötzlich sind
mehrere Sikhs mit Bärten und Turbanen reingekommen. Wir dachten
zunächst, sie wollten ebenfalls zum Gottesdienst kommen. Aber
plötzlich haben sie eine Waffe genommen und gezielt auf die zwei
Prediger geschossen." Das sagte eine Augenzeugin. Daraufhin brach
ein Tumult aus. "Die Leute - Kinder und alle anderen - sind
hinausgerannt. Sie sind praktisch um ihr Leben gelaufen", so die
Frau. Die beiden niedergeschossenen Prediger haben in Indien sehr
viele Anhänger und haben schon einmal in dem Tempel in der Pelzgasse
eine Messe gehalten.
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Großeinsatz
Als erste Einsatzkräfte der Polizei waren
Beamte aus dem Bezirk an Ort und Stelle. Diese lotsten die Flüchtenden
weiter und sicherten den Außenbereich. Kurz danach waren elf Mitglieder der
WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung) am Tatort und stürmten in den
Gebetssaal, der aber bis auf neun Verletzte bereits leer war. Drei
Notarzt-Hubschrauber sowie 16 Rettungsfahrzeuge waren im Einsatz, die
Polizei rückte mit 60 Fahrzeugen und 130 Beamten an.