IS-Heimkehrer sah Bekannte sterben

IS-Propagandist

IS-Heimkehrer sah Bekannte sterben

Der 16-jährige Wiener IS-Heimkehrer, der am vergangenen Dienstag am Flughafen Wien-Schwechat festgenommen wurde, hat seinen Angaben zufolge bei der islamistischen Terrormiliz "Islamischer Staat" die Hälfte seiner Bekannten sterben gesehen, die mit ihm in den Jihad gezogen waren. Auch der aus Wien-Floridsdorf stammende Firas H. (19), der als IS-Propagandist agiert hatte, ist nicht mehr am Leben.

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Werner Tomanek, der Verteidiger des 16-Jährigen, bekräftigte am Freitag im Gespräch mit der APA unter Berufung auf seinen Mandanten das kolportierte, bisher offiziell nicht bestätigte Ableben von Firas H.: "Mein Mandant hat seine zerfetzte Leiche gesehen." Firas H. soll zuletzt dem sogenannten Medienministerium der IS angehört haben. Von der syrischen Stadt Raqqa aus versorgte er via Facebook Sympathisanten aus Deutschland und Österreich mit Werbe-Botschaften und postete Fotos, die ihn mit einem abgeschnittenen Kopf bzw. beim Zählen von Banknoten zeigten, die angeblich ermordeten syrischen Soldaten abgenommen worden waren.

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Firas H mit Waffe

Der 16-Jährige war mit einem gefälschten Pass, der ihn als 18 und damit volljährig auswies, im vergangenen August gemeinsam mit einem gebürtigen Türken per Flugzeug in die Türkei gelangt. Der Bursch - er weist keinen Migrationshintergrund auf und hatte während seiner gesamten Schulzeit keinerlei Bezug zum Islam - war erst drei Monate vorher konvertiert. Binnen kürzester Zeit radikalisierte sich der Jugendliche, brach seine Lehre als Versicherungskaufmann ab und ging auch nicht mehr in die Berufsschule. Glaubensbrüder sollen ihn überzeugt haben, dass er sich aus religiösen Gründen dem bewaffneten Jihad anschließen müsse. Sein Anwalt möchte den Burschen, gegen den von der Staatsanwaltschaft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt wird, nun von einem psychiatrischen Sachverständigen untersuchen lassen, um nähere Aufschlüsse über diesen jähen Sinneswandel zu bekommen.

In der Türkei angekommen, wurde der Jugendliche gemeinsam mit anderen IS-Sympathisanten umgehend an die syrisch-türkische Grenze gebracht. Wie er nun dem Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) erklärte, hatte er sich zu einer bestimmten Stunde gemeinsam mit den anderen jungen Männern aus dem Westen, die zum IS wollten, an der Grenzstelle zu postieren. Nachts soll dann plötzlich wie aus dem Nichts ein Fahrzeug mit sechs bewaffneten IS-Kämpfern aufgetaucht sein, welche die Grenzbeamten bedrohten, entwaffneten und die Jihadisten mitnahmen.

Eingesetzt in Schlacht um Kobane
Im IS-Gebiet angelangt, bekam der 16-Jährige eine Kalaschnikow und 30 Schuss Munition in die Hand gedrückt. Ausbildung an der Waffe erhielt er keine. Wie er dem LVT darlegte, wurde der Teenager im weiteren Verlauf bei der Schlacht um Kobane von der IS als Sanitäter eingesetzt. "Er ist ganz allein in einem Hummer-Geländewagen gesessen und damit tagelang mit Morphiumspritzen am Beifahrersitz herumgefahren. Dabei hat er mit 16 ja nicht mal einen Führerschein. Er hat gerade einmal einen Fahrsicherheitskurs beim ÖAMTC gemacht", hielt sein Rechtsvertreter fest. Aufgabe des Burschen war es, teilweise im Kugelhagel durchs Kampfgebiet zu fahren und Verletzte aufzulesen. "Ihm ist ausdrücklich gesagt worden, dass er auch abgerissene Gliedmaßen mitnehmen soll, weil man die wieder annähen kann", so Anwalt Tomanek.

Auf Geheiß seines Kommandanten trat der Bursch Anfang Oktober 2014 in einem syrischen Schlachthaus gedrehten Propaganda-Video in Erscheinung, das via Facebook verbreitet wurde. Darin verkündete der Minderjährige unter anderem: "Wir haben uns heute hier versammelt, um die Schafe zu schlachten, und ich will euch dazu einladen, auch die Kuffar (Ungläubigen, Anm.) zu schlachten." Und weiter: "Kommt her zum Islamischen Staat. Nur hier findet ihr Ehre und Allah.

Musste Video drehen
Seinem Mandanten sei aufgetragen worden, dieses Video zu drehen, erläuterte Tomanek. Dem 16-Jährigen sei gar nichts anderes übrig geblieben, als dem nachzukommen: "Er hat gesehen, wie Leute ausgepeitscht wurden, die nicht gehorcht haben."

Anwalt Werner TOMANEK [610x305] © TZ ÖSTERREICH/Hochmuth
Anwalt Werner Tomanek

Nach Abschluss seiner Einvernahmen ist der Jugendliche inzwischen ins Landesgerichtliche Gefangenenhaus überstellt worden. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Vecsey, mitteilte, hat die Anklagebehörde die Verhängung der U-Haft beantragt. Die Entscheidung darüber wird am Wochenende fallen.
 

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