10. November 2009 08:17

Kampusch-Vater 

Koch: "Der Mann war mir immer suspekt"

Ludwig Koch über Mitwisser und mysteriöse Zeugen im Kriminalfall seiner Tochter.

Koch: "Der Mann war mir immer suspekt"
© TZ Österreich

ÖSTERREICH: Ein neuer Verdächtiger und geheimnisvolle Zeugen. Was sagen Sie zur erstaunlichen Entwicklung im Fall Ihrer Tochter?
Ludwig Koch: Gegenfrage: Habe ich nicht seit Nataschas Flucht immer wieder gesagt, dass der Fall mit dem Selbstmord Wolfgang Priklopils keineswegs geklärt ist? Ich war immer überzeugt, dass es Mittäter gab, die Natascha bis heute zum Schweigen zwingen – oder von denen sie sich zumindest unter Druck gesetzt fühlt.

ÖSTERREICH: Die Hausdurchsuchungen in Deutschland und die offiziellen Ermittlungen gegen Priklopil-Freund Ernst H. haben Sie nicht überrascht?
Koch: Als ich die Schlagzeile von ÖSTERREICH las, habe ich vor Freude ein Fläschchen geköpft. Aber überrascht war ich nicht. Ich bin ja ständig in Kontakt mit dem Leiter der Soko Natascha, Oberst Franz Pröll. Die arbeiten den Fall komplett neu auf und werden unter der jetzigen Führung von diesem Oberstaatsanwalt in Graz auch nicht mehr gebremst, sondern unterstützt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Resultate kommen. Und ich sage Ihnen: Die Soko ist noch lange nicht am Ziel.

ÖSTERREICH: Priklopil-Freund Ernst H. hat Sie vor Gericht gebracht, weil Sie ihn einmal festhielten. Ein Triumph für Sie, dass ihn vielleicht bald die Justiz festhalten wird, obgleich für ihn die Unschuldsvermutung gilt?
Koch: Eher eine Genugtuung. Der Mann war mir immer suspekt. Offenbar sieht ja jetzt auch die Kripo die Dinge so, wie ich sie immer gesehen habe. Wie ich höre, könnte er bald wegen Freiheitsentziehung meiner Tochter angeklagt werden. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Haft.

ÖSTERREICH: Sie haben in erster Instanz drei Monate bedingt bekommen, weil Sie Ernst H. „genötigt“ haben?
Koch: So ist es, aber jetzt sehen wir uns ja bei der Berufungsverhandlung in Graz wieder. Die Sache ist lächerlich: Schon kurz nach der Flucht Nataschas wollte ich mit Ernst H. reden, weil mir seine Aussagen seltsam vorkamen – und ich als Vater viele Fragen an ihn gehabt hätte. Aber er ist mir immer ausgewichen. Dann waren wir beide Zeugen im Wabl-Prozess – und er hat sich hinter einer Sonnebrille und Perücke versteckt.

ÖSTERREICH: Da haben Sie ihn zur Rede gestellt?
Koch: Genau – und am meisten habe ich dabei mit mir selbst gekämpft, dass ich ihm nicht wirklich was tu. Er hat sofort nach der Polizei geschrien. Jetzt hat er sie – anders als er dachte.

ÖSTERREICH: Was halten Sie vom angeblich brisanten Material des deutschen Zeugen Thomas Vogel?
Koch: Ich kenne den Mann und habe mehrmals mit ihm telefoniert. Seine Unterlagen hat er mir nicht ausgehändigt. Jetzt muss er ja Farbe bekennen.


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