24. Februar 2008 14:16
Grund: Er ist überzeugt, dass seine Tochter ohne "Ermittlungspannen" der
Polizei rasch gefunden und aus den Fängen ihres Entführers Wolfgang
Priklopil befreit hätte werden können. Kochs Anwalt Dietmar Heck bestätigte
am Sonntag den Bericht der Tageszeitung "Österreich".
100.000 Euro Schmerzensgeld
"Wir haben vor zehn Tagen ein
Aufforderungschreiben an die Finanzprokuratur gerichtet. Herr Koch will
100.000 Euro Schmerzensgeld und 30.000 Euro Aufwandsentschädigung. Die
Summen sind sehr moderat angesetzt", stellte der Rechtsanwalt fest.
"Versäumnisse der Polizei"
Schmerzensgeld fordert
Kampuschs Vater deshalb, weil er jedenfalls 1.000 Tage an den Folgen der
Entführung zu leiden gehabt und seine Gesundheit daran Schaden genommen
habe. Seinen Anspruch leitet Koch aus "inzwischen fest stehenden
Versäumnissen der Polizei"ab, wie sein Rechtsbeistand erläuterte:
"Hauptangriffspunkt ist die unterbliebene Hausdurchsuchung bei Priklopil.
Wäre dem Hinweis eines Hundeführers auf den Entführer vom April 1998
nachgegangen worden, hätte ein Richter innerhalb von fünf Sekunden einen
Hausdurchsuchungsbefehl ausgestellt. Und Natascha Kampusch wäre eine halbe
Stunde später gefunden worden."
Zeitaufwands-Abgeltung
Zusätzlich will Koch seinen Zeitaufwand
abgegolten bekommen, da er jeden Tag eine Stunde für die Suche nach seiner
verschwundenen Tochter verwendet habe. Dafür stellt er der Republik nun neun
Euro pro Stunde in Rechnung.
Drei Monate Wartefrist
Die Finanzprokuratur hat drei Monate Zeit,
auf dieses Ansinnen zu reagieren. Sollte sie darauf nicht eingehen, steht
eine Klagsdrohung im Raum, wie Kochs Rechtsvertreter deutlich machte. "Ich
kann mir nicht vorstellen, dass wir nichts hören", meinte Heck. Falls die
Finanzprokuratur zu keinen Verhandlungen bereit sei, werde man aber wohl den
Gerichtsweg beschreiten.
Auch Natascha Kampusch selbst erwägt bekanntlich eine Amtshaftungsklage. Ihr
Anwalt Gerald Ganzger führt allerdings hinter den Kulissen Gespräche mit
Vertretern der Republik, um eine außergerichtliche Lösung zu erwirken, was
Kampusch einen jahrelangen Rechtsstreit ersparen würde.