11. Dezember 2009 11:38
Zwei Karikaturen von Manfred
Deix haben mehrere Diakone der Erzdiözese Wien veranlasst, der
Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung zu übermitteln. Andreas
Frank, Max Angermann und Gerhard Sarman verweisen darauf, "dass in den
Deix-Karikaturen zum Thema 'Gott' (12. November) bzw. 'Kruzifix' (19.
November) u.a. auch gegen das NS-Verbotsgesetz verstoßen wird; außerdem
würden religiöse Lehren herabgewürdigt (Paragraf 188 Strafgesetzbuch)."
Erschienen sind die Zeichnungen in "News". Der Karikaturist war
für eine Stellungnahme vorerst nicht zu erreichen.
Hakenkreuz
Auf der Karikatur vom 19. November (Bildzeile: "Entwurf
für ein multikulturelles Kompromisskreuz") wurden Aussendung
Symbole von Christentum, Islam und Buddhismus mit den Symbolen zweier
Totalitarismen - Nationalsozialismus (Hakenkreuz) und Kommunismus (Hammer
und Sichel) - zusammenmontiert. Die Diakone betonen dazu: "Dadurch,
dass das Symbol des Nationalsozialismus kritiklos auf eine Stufe mit den
Symbolen von Weltreligionen gestellt wird, erscheint auch die
verbrecherische NS-Ideologie gesellschaftlich quasi rehabilitiert, neu
anerkannt bzw. verharmlost".
Es handle sich bei der Sachverhaltsdarstellung nicht um eine Aktion der
Erzdiözese, sondern um "eine Initiative der Diakone, die in ihren
Kontakten mit Gläubigen öfters darauf angesprochen wurden",
stellte der Sprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, klar.
Normalerweise würde zu einer Veröffentlichung dieser Art nicht Stellung
genommen, "doch hier ist eine Schwelle überschritten worden".
"Verhöhnung"
In einer Aussendung wird darauf
hingewiesen, dass "viele Christen, angefangen von einem Franz
Jägerstätter oder einem Dietrich Bonhoeffer" ihr Leben
hingegeben hätten, "weil es mit menschenverachtenden Ideologien
wie dem Nationalsozialismus nie einen Kompromiss geben kann". Die
Deix-Karikatur "Entwurf für ein multikulturelles Kompromiss-Kruzifix"
vom 19. November stelle daher auch eine "unglaubliche Verhöhnung"
zigtausender Opfer von Nationalsozialismus und Kommunismus dar.
Durch die Deix-Karikaturen hätten sich viele gläubige Menschen in ihren
religiösen Gefühlen verletzt gefühlt. Was Deix gezeichnet habe, sei eine "visuelle
Rücksichtslosigkeit", die auch mit der Freiheit der Kunst nicht
begründet werden kann, sondern eine "Grenzüberschreitung"
gegen die großen Religionen insgesamt darstellt.
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Manfred Deix: "Scharfmacher" Jetzt geht auch die
katholische Kirche gegen Karikaturen vor: Wiener Diakone haben den
Staatsanwalt gegen Manfred Deix eingeschaltet. ÖSTERREICH:
Worum geht’s bei der Klage? Mandfred Deix: Zum
einen um eine Zeichnung, in der ich Gott nicht als gütigen,
weißhaarigen alten Mann dargestellt habe, sondern als dreiköpfiges
Wesen… ÖSTERREICH: Und das wird jetzt geklagt? Deix:
Dazu müssten sie mir erst das Gegenteil beweisen – nämlich wie Gott
wirklich aussieht! ÖSTERREICH: Und zum anderen? Deix:
Da handelt es sich um meinen Vorschlag eines multikulturellen
Kompromiss-Kruzifixes. Es kommt den Moslems, den Buddhisten den
Christen... entgegen – Jesus trägt ein rotes Hemd mit Hammer und
Sichel drauf, und in Gliedhöhe befindet sich ein Hakenkreuz. Da
fühlen sich jetzt die Diakone persönlich beleidigt? Das ist doch
lächerlich! Das ist Satire! ÖSTERREICH: Woher
kommt diese plötzliche „kulturkämpferische“ Haltung einiger
katholischer Geistlicher? Deix: Ich registriere tatsächlich
gewisse Scharfmacher-Tendenzen innerhalb der katholischen Kirche.
Die sagen sich jetzt offenbar: Die Moslems lassen sich nichts
gefallen – wir auch nicht!
hir
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