07. November 2009 20:50

Neue Zeugen 

Knall-Effekt im Fall Natascha Kampusch

War der einst beste Freund von Natascha-Entführer Wolfgang Priklopil am Verbrechen beteiligt? Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Knall-Effekt im Fall Natascha Kampusch
© Kernmayer

Acht Stunden wurde Nataschas Vater, Ludwig Koch, vergangene Woche von der Soko Kampusch einvernommen. Danach war der 54-jährige Bäcker sicher: „Ich wusste immer, dass der Fall meiner Tochter nicht restlos geklärt ist. Jetzt wird es bald Überraschungen geben.“

Papa Koch behielt recht. Denn Samstag platzte die Bombe. Der für die weiteren Kampusch-Ermittlungen zuständige Grazer Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher gab bekannt, dass es neben Natascha-Entführer Wolfgang Proklopil, der sich selbst gerichtet hat, jetzt einen weiteren Verdächtigen gibt: Proklopils einstmals besten Freund und einzigen Vertrauten Ernst H.

Zwei neue Zeugen in Deutschland
Staatsanwalt Mühlbacher: „Es gibt Fragen, die nicht zufriedenstellend geklärt sind. Und es besteht der Verdacht, dass Ernst H. an der Tat beteiligt war“. Also wird gegen den Unternehmer jetzt wegen § 99 Strafgesetz (Freiheitsentziehung) ermittelt.

Tatsächlich war der 46-jährige Wiener mit dem Milchgesicht schon mehrmals im Visier der Kripo – bisher aber immer ohne Ergebnis. Seltsam für Ermittler, dass Ernst H. Natascha einst im Haus seines Freundes sah, aber keine Schlüsse daraus gezogen haben will. Seltsam, dass Priklopil möglicherweise Nataschas Verlies mit Maschinen seines Freundes baute. Und seltsam auch, dass der Entführer nach Nataschas Flucht und knapp vor seinem Selbstmord noch Kumpel Ernst H. traf, worauf sich der dann Monate lang mit dem Opfer traf.

Für Vater Koch zu viele Unklarheiten. Vor Gericht hielt er einmal Ernst H. unsanft fest, um ihn zur Rede zu stellen – und wurde prompt wegen Nötigung verurteilt. Jetzt droht Ernst H. Ungemach von der Justiz – und die hat noch weitere Überraschungen. Denn laut Staatsanwalt Mühlbacher gibt es in Deutschland zwei Zeugen, die dem Fall eine neue Wende geben könnten. Ein Amtshilfeverfahren läuft.


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