15. Februar 2009 12:51

Schwarzer verprügelt 

Lehrer verlangt Entschuldigung der Polizei

Der von zwei Drogenfahndern verprügelte Afroamerikaner lässt sich die demütigende Behandlung nicht so einfach gefallen.

Lehrer verlangt Entschuldigung der Polizei
© APA

Der unglaubliche Vorfall begann vergangenen Mittwoch in einem Wagen der Linie U4: Der Englisch- und Sportlehrer Mike B., ein US-Bürger, war gerade auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle – einer renommierten internationalen Schule. Außer ihm saßen noch zwei andere Passagiere mit ebenfalls dunkler Hautfarbe im Waggon. Plötzlich kamen zwei Männer auf ihn zu, setzten sich direkt vor ihn und die anderen Fahrgäste hin. In der Station Spittelau stieg B. dann aus.

Unschuldigen verprügelt
Was dann passierte, ist jetzt Gegenstand von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: Denn die Männer sollen sich plötzlich auf den Lehrer gestürzt und ihn verprügelt haben. Erst Minuten später sollen sie sich als verdeckte Ermittler der Polizei zu erkennen gegeben haben.

Die Ereignisse schilderte der Mann folgendermaßen: "In der Station Spittelau kamen zwei Männer auf mich zu, einer stürzte sich auf mich und schlug mit den Fäusten auf mich ein." Ein zweiter Mann fixierte ihn auf dem Boden. Die Folge: Verstauchungen, Wirbelprellungen, Verdacht auf eine Verletzung des Wirbelkanals und heftige Schmerzen. Mike B. war stationär ins Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus aufgenommen worden.

Mit Drogendealer verwechselt
B. erlitt bei dem Vorfall mehrere Verletzungen und musste ins Spital. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei den Männern um Drogenfahnder, denen bei der Verfolgung eines Dealers offenbar eine Verwechslung mit einem anderen Mann schwarzafrikanischer Herkunft passiert ist. Polizeieinsätze zur Überprüfung von allenfalls Verdächtigen unterliegen in Österreich genauen rechtlichen Regelungen.

Entschuldigung verlangt
Der Lehrer erwartet sich eine Entschuldigung. "Ich erwarte, dass die Polizei ihren Fehler zugibt und sich entschuldigt", so der Afroamerikaner. "Ich möchte nicht, dass so etwas mir oder jemand anderem nochmals widerfährt", fügte er hinzu.

Polizei gibt Fehler zu
"Ich kann keine Stellungnahme abgeben, bis die Ergebnisse der Ermittlungen auf dem Tisch liegen. (...) Wir nehmen die Vorwürfe ernst. Sie werden so rasch als möglich behandelt", erklärte Wiens Landespolizeikommandant Karl Mahrer.

Mahrer bestätigte, dass am vergangenen Mittwoch in der U-Bahn-Station Spittelau ein Polizeieinsatz gegen des Handelns mit Suchtmitteln verdächtige Personen durchgeführt wurde: "Es gab eine Amtshandlung."

Mahrer: "Erste Frage: 'Wieso ist es zu der Verwechslung gekommen'?" Die zweite Frage sei, wie es im Rahmen der Amtshandlung zu den Konsequenzen gekommen sei. Immerhin gab es offenbar bei dem Betroffenen Verletzungen, die erstens zu einem Einsatz der Wiener Rettung am Mittwoch um 14.37 führte, andererseits auch zu einer stationären Aufnahme des Verletzten im Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus in Wien-Brigittenau.


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare
Top Gelesen Chronik
TOP Videos mehr >
Webtipps