30. Jänner 2009 21:50
Nach den gewaltsamen Zwischenfällen bei einer Demonstration gegen den Ball
des rechtsgerichteten Wiener Korporationsrings hat die Polizei neun Personen
festgenommen. Mehrere Polizisten wurden verletzt, als Demonstranten sie mit
Gegenständen bewarfen. Die mit Videokameras ausgestatteten Beamten
dokumentierten auch mehrere Sachbeschädigungen, darunter Farbbeutelangriffe
auf das Innenministerium und eine Bankfiliale.
Protestzug zur Hofburg
Der Protest gegen den Korporationsball
in der Wiener Hofburg wurde von linksgerichteten Organisationen getragen. Um
18.00 Uhr versammelten sich nach Polizeiangaben 1200 Menschen am Westbahnhof
zu einem Protestzug Richtung Hofburg, wo der Ball der rechtsgerichteten
Studentenverbindungen stattfand. Am Heldenplatz hatte die Polizei eine
Sperrzone errichtet, um die etwa 2.300 Ballbesucher zu schützen. Das von den
Gegendemonstranten am Maria-Theresien-Platz veranstaltete "Straßenfest gegen
Rechtsextremismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie" endete gegen 23
Uhr ohne Zwischenfälle.
"Ca. 50 Chaoten und 150 Sympathisanten" versuchten nach Polizeiangaben auf
eigene Faust, einzelne Ballgäste zu bedrängen und auf den Heldenplatz zu
gelangen. Die mit Wurfgeschoßen angegriffenen Polizisten konnten die Störer
auf die Ringstraße zurückdrängen. Acht Personen wurden wegen
strafrechtlichen Delikten wie Körperverletzung oder Widerstand gegen die
Staatsgewalt festgenommen, eine Festnahme erfolgte nach dem
Verwaltungsstrafgesetz wegen Störung der öffentlichen Ordnung.
Geringfügiger Schaden
Außerdem wurden mehrere
Sachbeschädigungen verbucht. Nach ersten Angaben handelte ging es um sechs
Fälle, eine davon betraf die Scheibe eines Polizeiautos. In den anderen
Fällen ging es um Farbbeutel-Attacken und Schmierereien auf Gebäuden,
darunter eine Bankfiliale und das Innenministerium. Alle Sachbeschädigungen
hätten aber nur "geringe Schadenssummen" gehabt. "Sämtliche Vorfälle wurden
gefilmt", und die Aufnahmen würden nun mit den Daten der "zahlreich
vorgenommenen Identitätsfeststellungen" verglichen. Zunächst hatte es
geheißen, dass die Identität von 25 Personen geprüft worden sei.
Der Wiener Korporationsring ist ein Zusammenschluss von
Studentenverbindungen, die laut Dokumentationsarchiv des österreichischen
Widerstands dem deutsch-nationalen bis rechtsextremen Milieu entstammen. Der
heurige Protestzug wurde von Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS)
organisiert.
Im Vorjahr war es in den Nachtstunden zu größeren Ausschreitungen
gekommen. Etwa 200 Demonstranten waren nach der Protestkundgebung durch die
Mariahilfer Straße gezogen und hatten teilweise erheblichen Sachschaden
angerichtet. Mistkübel wurden angezündet und Schaufenster eingeschlagen. Ein
Exekutivbeamter wurde verletzt.