01. September 2006 13:56
ÖSTERREICH: Herr Koch, warum dürfen Sie Ihre Tochter nicht sehen?
LUDWIG KOCH: Das frage ich mich auch seit einer Woche, jeden Tag und jede Nacht. Ich war der einzige, der Natascha in mehr als acht Jahren nie aufgegeben hat. Die Polizei hätte den Akt am liebsten geschlossen, aber ich habe immer Druck gemacht. Ich habe einen Detektiv engagiert und wäre fast draufgegangen in all den Jahren – finanziell und an meiner Verzweiflung. Jetzt ist sie endlich frei, und ich weiß nicht einmal, wo Natascha ist.
ÖSTERREICH: Wie oft haben Sie Natascha seit ihrer Flucht getroffen?
KOCH: Zwei Mal, am Tag ihrer Flucht durfte ich sie fünf Minuten bei der Polizei sehen. Am nächsten Tag dann zwölf Minuten, wieder bei der Polizei. Es war, als wäre sie nie weg gewesen.
ÖSTERREICH: Sie meinen, sie waren einander vertraut?
KOCH: Ja. Ich habe ihr von der Katze erzählt, mit der sie aufgewachsen ist und die noch immer lebt. Sie hat mich nach ihrer Lieblinstante gefragte, wir haben über Ungarn gesprochen, wo wir oft Ferien gemacht haben. Und wir haben eine gemeinsame Kreuzfahrt geplant, sobald es ihr besser geht.
ÖSTERREICH: Und seit diesen Gesprächen haben Sie nichts mehr von Natascha gehört?
KOCH: Am Dienstag hat sie mich kurz angerufen und gesagt, dass es ihr besser geht. Ich solle mir keine Sorgen machen und sie wird sich wieder melden.
ÖSTERREICH: Natascha hat einen offenen Brief an die Medien verfasst. Ihrem Vater hat sie nicht geschrieben?
KOCH: Nein, ich glaube, das lassen die Leute um sie nicht zu. Ich habe diese Jugendanwältin (Monika Pinterits) angerufen, die hat mich an den Kinderpsychiater (Prof. Max Friedrich) verwiesen und den habe ich zirka 150 Mal angerufen, aber er rief nie zurück. Alle um Natascha sind jetzt unglaublich wichtig. Aber auch wenn ich ein einfacher Mann bin, weiß ich: Man braucht die Familie, wenn es einem schlecht geht, nicht Gutachter, Anwälte oder irgendwelche Experten.
ÖSTERREICH: Haben Sie Kontakt zu Nataschas Mutter?
KOCH: Die Beziehung ging kaputt, als Natascha sechs Jahre alt war. Jetzt haben wir uns auf Grund der Ereignisse zusammengesetzt. Aber es hat sich wieder gezeigt: Wir können nicht miteinander.
ÖSTERREICH: Hatte Natascha wegen der Streitereien daheim eine traurige Kindheit?
KOCH: Ja, leider. Ich habe sie nur jedes zweite Wochenende bei mir gehabt, und da hatten wir immer viel Spaß. Meist wollte sie gar nicht nach Hause zurück.
ÖSTERREICH: Wie geht es jetzt mit Natascha weiter?
KOCH: Am liebsten würde ich mit ihr zusammen für lange Zeit weit wegfahren und mich mit ihr aussprechen. Ohne die 150 Journalisten, die mich seit letzter Woche verfolgen.
ÖSTERREICH: Was empfinden Sie, wenn Sie an den Entführer Ihrer Tochter denken?
KOCH: Es war richtig, dass er sich auf die Schienen gelegt hat. Sonst hätte er zehn Jahre Haft bekommen, ich aber 20 Jahre für einen Mord.