24. Juli 2008 22:49

Zeugen berichten 

Ministerium bestätigt Karadzic-Aufenthalt in Wien

Während ihn das Haager Kriegsverbrecher-Tribunal jagte, reiste Karadzic ungehindert nach Wien. Das Innenministerium bestätigte dies nun.

Ministerium bestätigt Karadzic-Aufenthalt in Wien

12 Jahre lebte Radovan Karadzic im Untergrund – die Jahre der Flucht werden immer rätselhafter. Denn: Nun melden sich in ganz Europa Augenzeugen, die mit Karadzic in den letzten Jahren Kontakt hatten. Aber nicht bei Urlauben am Balkan – sondern in ihrem Heimatland. Karadzic soll als Guru durch ganz Europa gereist sein, um Menschen zu heilen. Von Italien bis Dänemark melden sich nun Menschen, die Karadzic begegnet sein wollen. Doch nicht nur zivile Zeugen, nun gibt es auch eine erste offizielle Bestätigung.

Bestätigung durch Inneministerium
Denn am Freitag bestäigte auch das Innenministerium, dass der ehemalige Ex-Präsident aller Voraussicht nach unter falschem Namen in Wien gewesen war. Nur wußte damals natürlich niemand, um wen es sich bei dem weisbärtigen Mann handelte. Niemand wußte, dass der harmlos aussehende Wunderheiler in Wirklichkeit Radovan Karadzic war.

"Der Verdacht, dass Karadzic in Wien aufhältig war, verhärtet sich", sagte Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums, am Freitagabend gegenüber Radio Wien.

Auch in Wien wollte er offenbar Wunder wirken
In Wien soll Dr. Massenmord als Alternativmediziner gearbeitet haben. Mehrere Augenzeugen schwören Stein und Bein, von Karadzic behandelt worden zu sein. Der Kriegsverbrecher trat meist nicht als Dr. Dragan Dabic aus, sondern nannte sich etwa „Pera“. Er wohnte niemals im Hotel, sondern war immer Gast in serbischen Familien. Wer von ihm behandelt werden wollte, musste in die jeweiligen Wohnungen gehen.

Das Behandlungsspektrum war weit gefächert. Karadzic half bei Erektionsstörungen, nicht erfüllten Kinderwunsch, Rheuma, Kopfschmerzen. Häufig legte er Hand auf, versuchte mit Körperwärme Wirkung zu erzeugen. Mitunter verwendete er auch Magnete, die er auch verkaufte. Auch von Heiltropfen ist die Rede, die er zu Geld machen wollte. Erfolge sind nicht überliefert, aber in der serbischen Gemeinde in Wien wurde der Massenmörder herumgereicht wie ein „echter“ Guru.

Auf die „Patienten“ machten weniger die Behandlungsmethoden als die Erscheinung von „Pera“ Eindruck. „Er war mir irgendwie unheimlich“, erzählt eine Anruferin ÖSTERREICH. „Er war ganz schwarz gekleidet, hat ausgesehen wie ein orthodoxer Priester. Er hat bei der Behandlung kaum geredet. Ich bin nur ein einziges Mal hingegangen."

Namen will niemand nennen
Auch heute noch sitzt die Angst vor dem langen Arm der Serben in Wien tief. Die Frage, wie Karadzic die Ausreise gelang, macht nur auf den ersten Blick stutzig. Er verfügte auch nach dem Untertauchen über hervorragende Kontakte zum serbischen Geheimdienst. Er verfügte über Personalausweis, Reisepass. Ein Visum für die Einreise nach Österreich, dürfte dabei kein Problem gewesen sein ...


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