07. Jänner 2010 19:25

Vorgartenstraße 

Mutiger Trafikant ist wieder im Dienst

Nachdem er einen Räuber in seiner Trafik erschossen hat, hüllt er sich nun in Schweigen.

Mutiger Trafikant ist wieder im Dienst
© Gerhard Fally/TZ ÖSTERREICH

Der Trafikant, über den ganz Österreich spricht, ist klein und schmächtig. Unter einer hohen Stirn sitzt eine große Hornbrille. Dahinter verbirgt sich das Gesicht eines Schweizer Kuckucksuhren-Schnitzers.

Werner B. (63) ist ein Mann, den man leicht unterschätzt. Ein schwerer Fehler, wie sich vergangenen Montag um 17.50 Uhr zeigte. Denn da bezahlte ihn der Rumäne Dorel M. mit dem Tod.

Schon der zweite Überfall
Es war bereits der zweite Überfall auf die kleine Trafik in der Wiener Vorgartenstraße. Doch diesmal wollte Werner B. nicht ergebenes Opfer eines (scheinbar) bewaffneten Räubers sein. Statt der Einnahmen holte der 63-Jährige eine Smith & Wesson aus der Geldlade, schoss den Gangster in die Brust – und verletzte ihn tödlich.

Im Prater ein Held
Donnerstag stand Werner B. erstmals nach seiner Notwehr wieder im Geschäft – und spürbar neben sich selbst unter der Wucht der Schlagzeilen, die ihn im rauen Praterviertel zum Helden gemacht haben.

Rot gesehen
Den ganzen Vormittag über drängten sich Neugierige in der Trafik, um den Mann zu beäugen, der Rot gesehen hat wie einst Charles Bronson im Kino. Sie wurden höflich, aber wortkarg bedient. Selbst Stammkunden, die sich erwartungsfroh nach dem Befinden des Chefs erkundigten, wurden mit einem knappen „Danke, es geht so“ abgefertigt. Denn Werner B. ist nicht bereit, über den Überfall zu sprechen: „Dazu sage ich sicher kein Wort.“

Schweigen ist Gold
Möglich, dass der Schock nachwirkt oder ihm Polizei-Psychologen zum Schweigen geraten haben. Wahrscheinlicher aber, dass der Trafikant Rache aus dem Umfeld des getöteten Rumänen fürchtet, wenn er über seine Courage große Worte verliert.

Freilich schadet Zurückhaltung der Popularität. Die Enttäuschung der Fans ist an der Theke des nahen Gastbetriebs „Steirerhof“ hörbar. Werner B. flüchtet in die Mittagspause und sperrt am Nachmittag nicht mehr auf. Er hat noch zwei Jahre bis zur Pension.


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