07. Februar 2010 14:43
Die Bluttat in Wien-Ottakring, bei der in der Nacht auf Samstag der 36-jährige
Kala Singh B. ums Leben kam, ist aus Sicht der Polizei geklärt. Der 15
Jahre alte Neffe des Inders hat am Sonntag gestanden, aus Angst vor dem zum
Tatzeitpunkt alkoholisierten und angeblich aggressiven Onkel zu einem
Küchenmesser gegriffen und diesem den tödlichen Bauchstich versetzt zu
haben. Das gab Polizeisprecher Roman Hahslinger am Sonntagnachmittag
bekannt. Der Schüler wurde wegen Mordverdachts in die Justizanstalt
Josefstadt eingeliefert.
Ein Mieter eines sanierungsbedürftigen Hauses in der Hippgasse hatte am
Samstag um 6.00 Uhr in der Früh im Stiegenhaus die Leiche des 36-Jährigen
entdeckt. Von Anfang an brachte das Wiener Landeskriminalamt (LKA) den
Bruder des Toten bzw. dessen Familie mit der Bluttat in Verbindung, da diese
in einer Wohnung im 1. Stock des Altbaus leben.
Alkoholisiert
Wie sich im Zuge der Ermittlungen herausstellte,
hatte Kala Singh B. tatsächlich am Freitag um 21.00 Uhr unangekündigt,
seinen Bruder besucht. Weil er sichtlich alkoholisiert war und ein
aggressives Verhalten an den Tag gelegt haben soll, wies dieser den
36-Jährigen schließlich aus der Wohnung.
Gegen Mitternacht kehrte Kala Singh B. jedoch zurück, wobei er keine
Schwierigkeiten hatte, ins Hausinnere zu gelangen: Das Haustor in dem
abgewohnten Gebäude ist seit langem rund um die Uhr unversperrt. Kala Singh
B. soll so lange heftig gegen die Wohnungstür geklopft haben, bis ihm sein
Neffe öffnete.
Gerangel
Der 15-Jährige wollte den Onkel nicht in die Wohnung
lassen. "Es ist dann zu einem Gerangel gekommen, wobei der Bursch
schließlich mit einem Messer zugestochen hat. Er sagt, er hat Angst vor dem
Onkel gehabt. Danach hat er die Tür zugemacht", erklärte der Polizeisprecher.
Der lebensgefährlich Verletzte soll noch vom 1. Stock ins Erdgeschoß
gegangen sein, wo er im Eingangsbereich zusammenbrach. Wie lange er dort
lag, ehe der Tod eintrat, ist derzeit noch unklar. Der Schüler wusch
unterdessen oberflächlich das Blut von der Tatwaffe und legte diese in eine
Schublade. Die Eltern des Burschen wollen von den Vorgängen an der
Wohnungstür nichts mitbekommen haben.
Widersprüchliche Angaben
Die Einvernahmen der indischen
Familie gestalteten sich schwierig, da die Eltern widersprüchliche Angaben
machten und - aus ihrer Sicht naheliegenderweise - bestrebt waren, ihren
Sohn nicht zu belasten. Bei der Spurensicherung fanden die Ermittler
allerdings in ihrer Wohnung ein Messer, an dem Reste von Blut klebten. Damit
konfrontiert, legte der 15-Jährige schließlich ein Geständnis ab. Die Eltern
des Jugendlichen stehen laut Polizei "jetzt sicherlich unter Schock".
Kala Singh B. hatte sich illegal in Österreich aufgehalten. Er war nach
einem Sittlichkeitsdelikt mit einem Aufenthaltsverbot belegt worden.