07. August 2009 21:56
Er ist derzeit eine der umstrittensten Persönlichkeiten des Landes und
gleichzeitig doch eine der bestinformiertesten im Fall Natascha Kampusch:
Ludwig Adamovich, ehemaliger Präsident des Verfassungsgerichtshofes und Chef
der Evaluierungskommission zum Entführungsdrama, sorgt für Aufsehen. Wenn
man seine Aussagen analysiert, sieht er bei fünf Punkten noch
Ungereimtheiten, die aufgeklärt werden müssen:
1. Priklopil soll nicht allein gehandelt haben
Der
Kommissionspräsident ist sich sicher, dass Wolfgang Priklopil im
Entführungsdrama zwar eine wichtige Rolle zukommt – dass er aber völlig
alleine gehandelt hat, will Adamovich nicht bestätigen. Mittäter seien
möglich. Eben das bestätigt auch eine Zeugin, die bei der Entführung von
Kampusch zwei Personen in dem weißen Lieferwagen gesehen haben will.
2. Der Entführer hatte mehrere Mitwisser
Unwahrscheinlich
ist für Adamovich, dass es in der achtjährigen Gefangenschaft keine
Mitwisser gegeben hat, wie Kampusch aussagte. Spekulationen, ob das
Entführungsopfer von möglichen Beteiligten erpresst wird, müssten laut
Adamovich erst noch überprüft werden.
3. Priklopil wusste, wen er 1998 entführte
Adamovich ist
überzeugt: Wolfgang Priklopil hat sein Opfer am Tag der Entführung in Wien
nicht zufällig getroffen und er hat sich auch nicht spontan für die Tat
entschieden. Er habe genau gewusst, wen er vor fast genau elf Jahren auf dem
Schulweg entführen wird.
4. Natascha litt unter schwieriger Kindheit
Besonders Adamovichs
Andeutungen über eine angeblich schwere Kindheit von Natascha vor ihrer
Entführung sorgen für Aufruhr. So soll die Mutter mit dem späteren
Entführungsopfer nicht gerade liebevoll umgegangen, die Gefangenschaft
möglicherweise besser gewesen sein, als alles was sie vorher erlebt hat.
5. Gefangenschaft nicht allzu dramatisch
Möglich auch: Natascha
hat sich in den Jahren der Gefangenschaft mit ihrem Leben so weit es ihr
möglich war arrangiert. „Die Annahme ist möglich, dass Natascha ihre
Gefangenschaft weniger dramatisch empfunden haben könnte, als das
Außenstehende beurteilen können“, meint Adamovich. Insider vermuten, dass
Natascha unter dem Stockholm-Syndrom gelitten haben könnte, ein
psychologisches Phänomen, bei dem der Entführte eine starke emotionale
Bindung zu dem Geiselnehmer aufbaut.
Warum Adamovich mit seinen Aussagen aufhorchen lässt, erklärt ein Insider:
„Adamovich will Aufklärung, darf aber aufgrund des Amtsgeheimnisses nicht
über konkrete Inhalte sprechen. Wenn er sich so äußert, dann tut er das mit
Wissen im Hinterkopf und sorgt ganz bewusst für Aufruhr, um den Fall in der
Öffentlichkeit zu halten und so weitere Aufklärung zu bewirken.“