10. November 2009 08:06
Der deutsche Grafiker Thomas Vogel lässt im Fall Kampusch erneut die Wogen
hochgehen. Nachdem der Mann aus Tengen behauptet hatte, im Besitz von
brisantem Beweismaterial zu sein, ließ Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher
über ein Amtshilfeersuchen am 29. Oktober bei Vogel eine Hausdurchsuchung
durchführen.
Wende
Sonntag
bestätigte der mysteriöse Zeuge im ÖSTERREICH-Gespräch:
„Ich habe ein Sexvideo von Natascha und ihrem Entführer Wolfgang Priklopil
entdeckt, das ein Dritter gefilmt haben muss.“ Zweitens: „Ich habe
Unterlagen, die Priklopils Freund, Ernst H., schwer als Mitwisser belasten.“
Und: „Die Polizei hat das gesamte Material beschlagnahmt. Es wird für eine
neue Sicht der Dinge sorgen.“
Anruf vom Staatsanwalt
Das Interview schlug wie eine Bombe ein:
Montag wurde Vogel von TV-Stationen (ZDF, RTL, Sat.1) und Reportern aus ganz
Europa belagert. „Auch Staatsanwalt Mühlbacher hat bei mir angerufen“, so
der Deutsche, „und ich habe ihm noch einmal versichert, dass er mit den
Beweismitteln Freude haben wird.“ Und im Gespräch mit ÖSTERREICH legt Vogel
noch nach: „Auch das Sex-Video hat die Kripo eingepackt. Es müsste bald in
Österreich eintreffen.“
Sichtung
Tatsächlich wird das bei der Hausdurchsuchung
beschlagnahmte Material derzeit von der Staatsanwaltschaft Koblenz
gesichtet. „Solche Auswertungen dauern bis zu sechs Wochen“, heißt es dort.
Dann werden die Unterlagen ans Bundeskriminalamt nach Wien überstellt. Bis
dahin möchte Staatsanwalt Mühlbacher, der die neuen Ermittlungen im Fall
Kampusch leitet, offenbar den Ball flach halten: „Es ist nur eine von vielen
Spuren, denen wir nachgehen.“
Die Gelassenheit des Anklägers hat Gründe. Denn die intensive Wühlarbeit der
Soko Natascha hat den Verdacht gegen Priklopil-Freund Ernst
H., derart verdichtet, dass gegen ihn jetzt als Beschuldigten und
möglichen Komplizen ermittelt wird (es gilt die Unschuldsvermutung). Der
mögliche Tatbestand – „Freiheitsentziehung“ (§ 99 StGB) – ist mit zehn
Jahren Haft bedroht. Einen Haftbefehl hält die Staatsanwaltschaft „derzeit
für nicht angebracht“, weil keine Fluchtgefahr bestehe.
Nataschas Reaktion
Trotz der neuen Verdachtslage hält
Entführungsopfer Natascha Kampusch daran fest, dass sie keine Komplizen
Priklopils kenne. „Sie weiß nicht, wer am Verlies mitgebaut hat“, so
Kampusch-Anwalt Gerald Ganzger, „und auch nicht, ob Herr H. ein Mitwisser
war.“ Nachsatz: „Sie hat nie etwas verheimlicht.“