11. August 2009 16:25
Das im Fall Kampusch ermittelnde Bundeskriminalamt (BK) glaubt indes nicht
an eine Gefährdung von Natascha Kampusch durch einen möglichen Komplizen
ihres Entführers Wolfgang Priklopil. "Wir sehen es überhaupt nicht", sagte
Gerhard Lang, Sprecher der zuständigen Sonderkommission. "Es hat sich nichts
geändert", betonte er im Hinblick auf die seit November 2008 laufenden
Ermittlungen.
Demnach gibt es weiter keine konkreten Anhaltspunkte auf Mittäter von
Priklopil, der bisher als Einzeltäter gilt. Die SoKo gehe weiter ihrer
ursprünglichen Aufgabe nach: Die Durchführung offener Vernehmungen im
Bereich Kinderpornografie im Umfeld des Falls, aber nicht im direkten Bezug
zu Natascha Kampusch, betonte Lang. Der seit 4. August zugeteilte Grazer
Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher habe noch keine neuen Aufträge erteilt.
Zu viele "wenns"
Die Evaluierungskommission wäre, nur
wenn sie wirklich eine effektive Gefahr sehen würde, offiziell an die
Kriminalpolizei herangetreten, erläuterte Lang seine Informationen über die
Ansichten der Kommission. Diese habe sich aber nur darüber Gedanken gemacht,
dass es eine Bedrohung geben könnte, wenn es einen zweiten Täter geben
sollte. Für einen Personenschutz wären dies zu viele "wenns".
Auch Natascha Kampusch selbst und ihre Berater halten Personenschutz für
nicht notwendig: "Es gibt ja auch kein verändertes Bedrohungsszenario. Es
ist uns nichts mitgeteilt worden, es ist ja nicht weiter konkretisiert
worden", so ihre Medienberater. "Mit unserem Wissensstand gibt es keine
Veranlassung."
Der zuständige Oberstaatsanwalt wollte sich inhaltlich nicht zu dem Fall
äußern. "Zur Gefährdung kann ich nichts sagen, weil das nicht mein
Aufgabenbereich ist", so Mühlbacher. Für die Abwehr von Verbrechen sei die
Sicherheitspolizei zuständig und diese obliege dem Innenministerium. "Ich
habe laufend Kontakt mit dem Bundeskriminalamt", meinte er über seine
Arbeit. Auch mit der Evaluierungskommission gab es bereits Gespräche: "Da
wird es auch ein Treffen geben."
Evaluierungkommission steht hinter Adamovich
Nachdem Ludwig
Adamovich als Leiter und Sprecher der im Innenministerium angesiedelten
Evaluierungskommission im Fall Natascha Kampusch nach medialen Aussagen
zunehmend in die Kritik geraten ist, haben sich am Dienstag weitere
Mitglieder der Kommission geschlossen hinter die Stellungnahmen des
Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident gestellt. "Wir tragen die
Aussagen von Ludwig Adamovich mit", betonte Rudolf Keplinger, Chef des
Landeskriminalamts Oberösterreich, im Ö1-Morgenjournal. "Wir
sechs Mitglieder sind alle einer Meinung." Die Causa Kampusch sei ein
großer Kriminalfall, der von A bis Z geklärt werden müsse - das sei bisher
nicht geschehen.
Immer wieder Bedrohungen
Nachdem ein weiteres Mitglied Johann
Rzeszut, Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofs (OGH), sich bereits am
Wochenende zu Wort gemeldet und dabei erklärt hatte, Kampusch drohe durch
einen Komplizen ihres Entführers Wolfgang Priklopil Gefahr, nahm am Dienstag
auch Susanne Reindl-Krauskopf vom Institut für Strafrecht öffentlich
Stellung: "Die kriminologische Erfahrung zeigt, dass es durchaus immer
wieder zu Bedrohungen des Opfers kommen kann, wenn es mehrere Täter gibt. Es
will ja keiner, dass der Frau Kampusch wieder etwas Negatives zustößt",
betonte die stellvertretende Kommissionsvorsitzende gegenüber Ö1.