04. August 2009 11:35
Die Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien hat nach den jüngsten Aufregungen um
den Fall Natascha Kampusch die Ermittlungen übernommen. Zusätzlich wird der
erste Grazer Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher auf Dauer dem Verfahren
zugeteilt. Für Irritationen hatte in den vergangenen Tagen vor allem Ludwig
Adamovich, Leiter der vom Innenministerium in der Causa eingesetzten
Evaluierungskommission, mit Aussagen zum privaten Bereich des Opfers und
Vorwürfen gegen die Behörden gesorgt.
Große Bedeutung des Verfahrens
"Angesichts der
Bedeutung der Angelegenheit wird die Oberstaatsanwaltschaft Wien das
Verfahren an sich ziehen und das Justizministerium ersuchen, den ersten
Oberstaatsanwalt in Graz, Thomas Mühlbacher, der sich mit dem Fall bereits
befasst hat, zur weiteren Bearbeitung des Verfahrens zuzuteilen",
teilte Werner Pleischl, Leiter der OStA Wien, mit. Bisher leitete die
Ermittlung die StA Wien, die an die OStA Bericht erstattete. Diese übernimmt
nunmehr die Leitung der Erhebungen und beurteilt diese auch. In zweiter
Instanz soll letztere Funktion auch Mühlbacher ausüben. Der Bitte Pleischls,
den Grazer Oberstaatsanwalt hinzuzuziehen, kommt das Justizministerium nach: "Er
bleibt zugeteilt", sagte Ressortsprecherin Katharina Swoboda. Seine
Zuständigkeit sei Anfang Juli vorläufig auf vier Wochen begrenzt worden und
werde nun ohne Zeitbefristung verlängert.
Keine weitere Einvernahme
Er habe mit Adamovich am Montag in
einem Gespräch die weitere Vorgehensweise erörtert, teilte Pleischl mit.
Vereinbart worden sei, dass der Leiter der Evaluierungskommission darauf
drängen werde, dass die ermittelnde "SoKo Kampusch" im
Bundeskriminalamt (BK) die seit geraumer Zeit offenen Ermittlungsaufträge
der StA erledige. Das BK wurde im November 2008 beauftragt und hat laut
eigenen Angaben noch nicht alle offenen Befragungen durchgeführt. Laut
Pleischl soll Natascha Kampusch selbst nicht noch einmal einvernommen
werden. Die SoKo wird laut Pleischl nach Abschluss ihrer Arbeit in einem
Bericht die wesentlichsten Punkte des Falles noch einmal zusammenfassen.
Danach werde in einem Gespräch zwischen der Kommission, den Ermittlern und
der OStA über die weitere Vorgangsweise und mögliche zusätzliche
Ermittlungen entschieden.
Positiv werden die Absprachen bei den Ermittlungen und Beschlüsse von
Kampuschs Anwalt, Gerald Ganzger, beurteilt: "Ich begrüße das sehr, das
entspricht meiner Bitte der vergangenen Tage", meinte er. "Genau
das ist eine sinnvolle Vorgangsweise, kein Streit zwischen Behörden sondern
Arbeit."