08. August 2009 09:17

Vermisstes Mädchen 

Onkel hielt Yvonne als Liebessklavin

Das seit Jänner 2008 abgängige Mädchen wurde am Freitag von der Polizei gefunden - in der Wohnung ihres Onkels.

Onkel hielt Yvonne als Liebessklavin
© privat

Am Freitagvormittag endete für die 15-jährige Yvonne F. ihr 20 Monate langes Martyrium. Fahnder fanden das Mädchen in einer unauffälligen Wohnung in Wien Favoriten, im zehnten Bezirk. Seit Jänner 2008 war Yvonne wie vom Erdboden verschluckt, in den Fängen ihres eigenen Onkels, der sie als Liebessklavin hielt – für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Schon einmal ausgerissen
Vor 20 Monaten war das Mädchen auf dem Weg zur Schule in Wien-Simmering verschwunden. Dahinter soll ein perverser Plan ihres Onkels Wolfgang F. stecken, der das Mädchen angeblich schon davor sexuell missbraucht und manipuliert hatte. Als Yvonne von zu Hause ausreißen wollte, bot der heute 38-Jährige ihr Unterschlupf an und brachte sie in einer Wohnung unter – mit Hintergedanken.

„Liebessklavin“
Wolfgang F. machte Yvonne zu seiner „Liebessklavin“. Das Mädchen ließ den sexuellen Missbrauch über sich ergehen, um nicht auf der Straße zu landen. Nachdem der Mann ohne Unterstand war, zog er mit seiner Nichte von Wohnung zu Wohnung, die er von Bekannten zur Verfügung gestellt bekam. Der ständige Wechsel ihres Aufenthalts erschwerte die Ermittlungen. Yvonne wurde nicht gegen ihren Willen festgehalten und es wurde ihr auch keine Gewalt angetan. "Der Onkel war für sie Bezugsperson", sagt die Polizei.

„Die Hölle durchgemacht“
Freitag Vormittag wurde Yvonne im Beisein einer Psychologin von der Polizei verhört und schilderte die schrecklichen Details. „Sie hat die Hölle durchgemacht“, zeigte sich eine Mitarbeiterin der Jugendwohlfahrt schockiert.

Parallelen zum Fall Kampusch
Bei dem Fall drängen sich Parallelen zu Natascha Kampusch auf. Zwar war Yvonne – im Gegensatz zu Kampusch – nicht eingesperrt und hätte die Wohnung jederzeit verlassen können. Jedoch manipulierte Wolfgang F. sein Opfer dermaßen, dass ihm die 15-Jährige völlig hörig war.

Zweite Parallele: Auch bei Yvonne gab es bereits kurz nach dem Verschwinden eine Spur zum Täter, der die Polizei aber nicht nachging. Yvonnes Vater verdächtigte Wolfgang F. schon damals, hinter dem Verschwinden seiner Tochter zu stecken. Er wirft nun der Polizei vor, diesem Hinweis erst zu spät nachgegangen zu sein.

Eine Internetseite, auf der Yvonne mit Freunden chattete, brachte die Ermittler schließlich auf die Spur. Sie verfolgten den Computer, von dem die Nachrichten geschickt wurden, und fanden so schließlich die Wohnung in Favoriten.

Onkel gesteht Intimität
Wolfgang F. ist geständig. Er gab an, mit seiner Nichte eine intime Beziehung gehabt zu haben. Er wurde noch am Freitag wegen Missbrauchs von Minderjährigen festgenommen und ins Landesgericht überstellt.


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