07. September 2012 22:04
Die Angst vor dem Tod ist ein Nährboden für alternative Medizin. Laut dem Gesundheitsministerium soll das der promovierte Chemiker Wassil N. ausgenutzt und sich so bereichert haben. Der offizielle Verdacht: schwerer gewerbsmäßiger Betrug. Seit Freitag sitzt Dr. Krebs in Untersuchungshaft
in der Justizanstalt Josefstadt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Doch jetzt wird die selbst ernannte „Wunderwaffe“ des 75-Jährigen zum Polit-Skandal. Denn während das Gesundheitsministerium dem Krebsmittel Ukrain aus Schöllkraut und Thiotepa seit Jahren skeptisch gegenübersteht, finanzierte das Ministerium für Wissenschaft die Erforschung von Ukrain in den 90er-Jahren. In einem 2004 veröffentlichten Bericht des deutschen Fernsehsenders ZDF äußerte der ehemalige Leiter der Forschungsabteilung im Bundesministerium scharfe Kritik an einem Zulassungsverbot des Mittels: „Ich führe das auf eine Mischung aus Schlamperei und Ignoranz der zuständigen Beamten und Beamtinnen zurück, die nicht bereit sind, die internationale wissenschaftliche Fachliteratur zu studieren…“, sagte Norbert Rozsenich damals. Heute ist das Ministerium vorsichtiger, bestätigt aber zumindest die Förderung der Erforschung von Ukrain in den 90er-Jahren.
An der Technischen Universität Wien entwickelte Wassil N. in den 70er-Jahren das Krebsmittel, das die Zellteilung hemmen soll. Einer seiner ersten „Patienten“ soll sein Bruder gewesen sein. Laut eigenen Angaben rettete er ihm mit dem Mittel das Leben.
Für das Bundeskriminalamt ist die Sachlage eindeutig: „Es gibt mehrere Tausend Geschädigte durch Ukrain“, sagt der BK-Sprecher Mario Hejl.
Jetzt spricht der Anwalt des Doktors:
ÖSTERREICH: Wie schätzen Sie die juristische Situation für Ihren Mandanten ein?
Martin Mahrer: Ich bin guter Dinge. Es gibt seit Jahren Studien über Ukrain. Nur an der Zulassung ist es gescheitert.
ÖSTERREICH: Wieso hat Ukrain nie die Zulassung bekommen?
Mahrer: Mein Mandant glaubt, weil das Produkt in der Herstellung billiger ist, wollen Politiker und Pharmafirmen die Zulassung verhindern. Außerdem gibt es bereits eine Zulassung in den GUS-Staaten.
ÖSTERREICH: Aber nicht in Österreich. Hat sich Ihr Mandant damit strafbar gemacht?
Mahrer: Nein. Es hat immer einen Arzt gegeben, der die Anwendung von Ukrain befürwortet und damit abgesegnet hat.
Dass in den 90er-Jahren das Wissenschaftsministerium Geld in die Erforschung dieses Medikaments bzw. dessen Nutzens gesteckt hat, wuerde ich nicht so sehr kritisieren. Um beurteilen zu koennen, ob bzw. unter welchen Randbedingungen ein Mittel wirksam ist oder nicht, muessen sich Wissenschaftler damit auseinandersetzen. Erst nach Abschluss aller Untersuchungen kann man dann Urteil abgeben, und das Mittel entweder zulassen oder eben nicht.