21. September 2009 10:08
Wie angekündigt hieß es ab Mittag am europaweit autofreien Tag auf Teilen
der Wiener Ringstraße für den Individualverkehr "ausweichen":
Zwischen Operngasse und Bellariastraße hatten zahlreiche Umwelt- und
Klimaorganisationen unter dem programmatischen Titel "Rasen am Ring"
den Asphalt auf Höhe Heldenplatz mit Rollrasen in eine Picknick-Wiese
verwandelt. Bis mindestens 18.00 Uhr soll der Abschnitt so entschleunigt
werden - was zu heftigem politischen Hickhack in der Bundeshauptstadt
führte.
Unterstützt wurde der autofreie Ring von den Organisationen IG-Fahrrad,
Global 2000, Greenpeace, der Fahrrad-Selbsthilfe WUK, der Bürgerinitiative "Rettet
die Lobau", der Umweltorganisation Virus, der Arge
Schöpfungsverantwortung und von Ökonews. Wann solle man eine Verkehrsfläche
für klimapolitische Anliegen nutzen, wenn nicht am autofreien Tag, so
Virus-Sprecher Wolfgang Rehm: "Einige Herren können es wohl nicht
verwinden, dass wir Frevler es wagen, die heilige Kuh anzutasten."
Entsprechend "erbärmlich" sei die Distanzierung von
Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S).

(c) Roswitha Renner
"Künstliches Hindernis"
Dieser hatte am Montag in
einer Aussendung beschieden: "Wir sehen das Demonstrationsrecht
grundsätzlich als unantastbar an. Aktionen, bei denen dieses Recht aber
bewusst nur deshalb in Anspruch genommen wird, um im Wiener Straßenverkehr
zur Hauptverkehrszeit künstlich Hindernisse zu erzeugen, schätze ich absolut
nicht." Das Demonstrationsrecht sei aber eine polizeiliche
Angelegenheit und werde deshalb von der Bundespolizei Wien als Behörde
behandelt.
"Schnapsidee"
"Ich habe Respekt vor der
Demonstrationsfreiheit. Es ist aber inakzeptabel, eine ganze Stadt
lahmzulegen", kritisierte VP-Nationalratsabgeordneter Ferdinand Maier.
Dies zeige die verkehrspolitische Hilfslosigkeit der Wiener SPÖ.
BZÖ-Verkehrssprecher Christoph Hagen geißelte die Ringsperre als "Schnapsidee".
Eine Ringsperre "für die Spendenkeiler von GLOBAL 2000, Greenpeace &
Co", unterstützt von den "desolaten Grünen" sei
umweltpolitischer Schwachsinn, ärgerte sich FPÖ-Gemeinderat Toni Mahdalik.
Die Grünen stellten damit unter Beweis, dass sie für ein paar
Zeitungsartikel ihre Großmütter en gros verkaufen würden. "Als
Autofahrer ist man in Wien wirklich eine arme Sau", konstatierte er.
Ringsperre für Stenzel Provokation
Es sei ein "starkes
Stück" einen ganzen Teil des Ringes für ein Happening der Grünen
zu sperren, echauffierte sich auch die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt,
Ursula Stenzel (V). Dahinter stecke offenbar die Absicht, die Ringstraße zu
einer Event- und Demonstrationszone zu machen, denn der Rathausplatz alleine
genügt scheinbar nicht mehr. "Diese Ringsperre wird als
Provokation empfunden", machte Stenzel klar.
"Sinnvolles Signal"
Der Umweltsprecher der Wiener
Grünen, Rüdiger Maresch, hatte die Maßnahme hingegen verteidigt: "Die
Aktionen am Ring sind ein wichtiges und sinnvolles Signal für eine
grundlegende Änderung der Klima- und Verkehrspolitik in Österreich und auch
in Wien." Das Verhalten von ÖVP und FPÖ sei unverständlich: "FP
und VP blockieren seit Jahrzehnten wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz
und gefährden so die Lebensgrundlagen unserer Kinder."
Der europaweit autofreie Tag findet heuer bereits zum zehnten Mal auf
freiwilliger Basis statt. Die Aktion wurde im Jahr 2000 auf Initiative der
EU-Kommission eingeführt und bildet den Abschluss der europäischen
Mobilitätswoche. Die Bevölkerung soll damit zum Umsteigen auf öffentliche
Verkehrsmittel oder das Fahrrad bewogen werden.