04. September 2008 16:38
In der Causa der über 100 Tage in U-Haft gehaltenen Tierschützer hat die
Polizei jetzt ihre Vorwürfe gegen die mutmaßliche Tätergruppe konkretisiert.
Die Exekutive lastet den Aktivisten Brandstiftungen, schwere
Sachbeschädigungen, Bombendrohungen, Nötigungen in Form von Drohmails und
beharrliche Verfolgungen im Sinn des §107 a Strafgesetzbuch an.
224 Delikte verzeichnet
Grundsätzlich wurden zwischen 1996 und
2008 224 strafrechtlich relevante Vorfälle registriert, die militanten
Tierrechtsaktivisten zugerechnet werden. Dabei entstand ein Gesamtschaden
von über 3,5 Millionen Euro. Wegen der Häufung der Tatbestände wurde die "SOKO
Kleider" eingerichtet, die die Ermittlungen gegen jene zehn
Tierschützer führten, die in U-Haft gelandet waren.
Feuer und Bomben
Konkret handelt es sich um neun Brandstiftungen
in Nieder-, Oberösterreich, der Steiermark und im Burgenland, zwei versuchte
Brandstiftungen sowie zwei Bombendrohungen gegen die
Bezirkshauptmannschaften Gmünd und Zwettl. Weiters werden den Tierschützern
34 Sachbeschädigungen, 25 davon schwer, vorgeworfen.
Drohung und Nötigung
Angelastet wird den Tierschützern auch
eine gefährliche Drohung, zwei beharrliche Verfolgungen sowie elf Nötigungen
durch Drohmails, u.a. über Formulierungen wie "Wir machen Euch
platt", "Ihr Wichser, wir machen Euch fertig", "Falls
ihr Kinder habt, werde ich sie finden und abschlachten, lasst den Scheiß
sonst gibt's Kopf auf Rücken", "Ihr Drecknazis, schließt
endlich Euer beschissenes Drecknest im 16., sonst passiert was". In
einem Fall soll es zu einer versuchten schweren Nötigung gekommen sein.
"Kein Polizeiskandal"
Der derzeitige Generaldirektor
für öffentliche Sicherheit, Elmar Marent, verteidigt die Ermittlungen als "rechtsstaatlich
und verhältnismäßig". Der Versuch, die Arbeit dieser
Beamten zu kriminalisieren, müsse mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen
werden, so Marent. "Von einem Polizeiskandal zu sprechen, ist nicht nur
aufgrund dieser Tatsachen absurd."
"Kein einziger Beweis"
Die Verteidiger der
Tierschützer bleiben völlig unbeeindruckt von der langen Liste an
angeblichen Straftaten. Die Polizei sei trotz eineinhalbjähriger
Ermittlungen inklusive Telefonüberwachungen nicht in der Lage, die Delikte
konkreten Personen zuzuordnen. Sie habe keinen einzigen Beweis, so die
Anwälte. Sie wollen jetzt konkret wissen, was wem vorgeworfen wird.
Kein Organisationsdelikt
Abgesehen davon wundern sich die
Verteidiger, dass ihre Mandanten wegen der angeblichen Bildung einer
kriminellen Organisation in U-Haft gesteckt wurden, wenn ihnen in dieser
langen Liste kein einziges Organisationsdelikt angelastet wird.
Politische Größen
Der bekannteste der Tierschützer,
Martin Balluch (Chef der Vereins gegen Tierfabriken), und seine Kollegin
Sabine Koch werden bei den Nationalratswahlen für die Grünen antreten.
Balluch ortet Rufmord
"Fast 2 Jahre großer Lauschangriff ... ohne
jeden ersichtlichen Anlass hatten keinen einzigen konkreten Hinweis auf
kriminelle Handlungen" ergeben, empört sich Balluch. Der Doppeldoktor
kritisiert den "Rufmord" durch die Behörden.