25. Dezember 2009 13:02
Am 2. März 1998 wurde Natascha auf dem Schulweg vom Nachrichtentechniker
Wolfgang Priklopil entführt. Interessant: In der ARD-Doku nennt Kampusch ihn
nie beim Namen. Immer nur "Täter" oder "Entführer".
Er kerkerte sie in den letzten Winkel seines Kellers ein. Das Verlies ist
2,70 m lang, 1,80 m breit und 2,37 m hoch, um hineinzukommen, muss man sich
durch ein 50 mal 50 cm großes Loch zwängen, das von einer schweren Stahltür
verschlossen ist. Er verriegelte den Zugang durch zwei weitere Türen und
tarnte ihn mit Gerümpel. Natascha erzählt in der TV-Doku: "Um
in das Gefängnis zu kommen, hat er eine Stunde gebraucht. Ich war wie ein
ägyptischer Pharao lebendig konserviert."
Natascha: "Es war kalt, feucht und ekelhaft"
Anfangs
habe sie noch die Sekunden gezählt, bis sie eine Minute ergaben - aber
irgendwann verlor sie den Überblick, erzählt Kampusch. "Meine
innere Uhr war völlig aus dem Gleichgewicht, ich wusste nicht, ob es Tag
oder Nacht ist." Im Dunkeln verharrte sie auf dem klammen Kellerboden. "Es
war kalt, feucht, ekelhaft." Priklopil hatte ihr die Schuhe von den
Füßen gerissen. Die brauche sie jetzt nicht mehr, sagte er und verbrannte
sie.
Natascha wurden die Haare rasiert
Seine Gefangene musste sich die
Haare mit Spangen zusammenbinden und darüber einen Plastiksack tragen,
später rasierte er ihr eine Glatze. Er verbot ihr zu weinen, damit ihre
Tränen nirgendwo Salzränder hinterließen. Weinte sie doch, würgte er sie und
drückte ihren Kopf in ein Waschbecken. "Herr Priklopil war sehr
auf Hygiene bedacht", beschreibt es Ernst H., bester Freund des
Entführers in der Doku.
Natascha: "Parierte ich nicht, wurde ich misshandelt"
Hinterließ
sie dennoch einen Fingerabdruck auf einem Türrahmen oder einer Glasplatte,
folgten drakonische Strafen: "Dann wurde ich misshandelt", sagt
Natascha. Auch habe er sie brutal niedergerungen, wenn sie nicht parierte. "Ich
war lieber im Verlies als oben", sagt sie in der TV-Doku - und stellt
die Situation somit völlig konträr dar wie Ludwig Adamovich.
Nachts durfte Kampusch fünf Minuten eine Hecke berühren. Wenn
Priklopil sie in der Nacht für fünf bis zehn Minuten in den Garten ließ,
nahm sie sich als Andenken ein paar Zweige ins Verlies mit. "Ich freute
mich, die Hecke berühren zu dürfen, den Wind zu spüren",
sagt Natascha.
"Niemals Opfer von Kinder-Pornoring oder SM-Praktik"
Im
Film betont Kampusch auch, dass sie nie Opfer eines Kinderpornorings oder
von Sado-Maso-Praktiken geworden sei.