07. Jänner 2010 19:53

Causa Kampusch 

Priklopil war Einzeltäter

Tatort Strasshof: Laut Bericht wird die Mehrtäter-Theorie in der Causa Kampusch ausgeschlossen. Hier die Antwort auf die offenen Fragen. In einer ersten Reaktion zeigt sich Natascha Kampusch erleichtert.

Priklopil war Einzeltäter
© APA

Im Entführungsfall Natascha Kampusch sorgten nicht zuletzt zahlreiche offene Fragen für Spekulationen. Bei einer Pressekonferenz am Freitag präsentierte der federführende Staatsanwalt bei den neuerlichen Ermittlungen, Thomas Mühlbacher, die recherchierten Antworten.

Angaben einer Zeugin, die zwei Männer gesehen haben will: Ein damals zwölf Jahre altes Mädchen hatte beobachtet, wie Natascha Kampusch von einem Mann in einen weißen Kastenwagen gezerrt worden, kurz danach beobachtete sie einen zweiten im Fahrerraum. Nachdem sie sich versteckt und Sichtkontakt verloren hatte, bemerkte sie nach einigen Minuten auf der Straße noch einmal einen weißen Kastenwagen, in dem zwei Männer saßen.

Priklopil Einzeltäter
Die Polizei geht nun davon aus, dass Priklopil von hinten nach vorne in den Wagen geklettert ist, wodurch der Eindruck entstehen konnte, dass es sich um zwei Männer gehandelt hat. Für die Zeugin ist dies "plausibel". Zudem schränkte die Frau bei einer Gegenüberstellung mit Natascha Kampusch, die bis heute von nur einem Täter spricht, ein, dass es möglich sein könnte, dass es sich bei dem zweiten Wagen um ein anderes Fahrzeug gehandelt haben könnte, das zufällig vorbeigekommen ist und dem Kastenwagen nur ähnlich gesehen hat.

Äußerungen von Priklopil unmittelbar nach der Entführung: Priklopil ist mit Kampusch zweieinhalb Stunden im Kreis gefahren, danach stoppte er in einem Waldstück. Dort telefonierte er und erklärte dann, dass "die anderen" nicht kommen werden. Laut Aussage von Kampusch dürfte die lange Fahrt wohl dazu gedient haben, zu verschleiern, wo er sie tatsächlich hinbringt. Der Hinweis auf etwaige andere Täter könnte dazu gedient haben, sie zusätzlich einzuschüchtern. Priklopil habe zudem laut Kampusch immer wieder Angaben gemacht, die nicht schlüssig waren.

Mangelhafte Vorbereitung des Verlieses: Das Verlies war zum Zeitpunkt der Entführung zwar noch nicht bis in letzte Detail fertiggestellt, es hatte aber bereits alle sanitären Einrichtungen und eine Belüftung, um jemanden länger darin unterzubringen. Die Tatsache, dass offenbar geplant war, jemanden für einen längeren Zeitraum in dem Verlies einzusperren, widerspricht auch der These, dass Kampusch anderen Personen übergeben hätte werden sollen.

Die Verletzung: Wolfgang Priklopil wurde einen Tag nach der Entführung wegen einer Verletzung am Mittelfinger im Spital behandelt. Die offene Frage war: Wie konnte es der Entführer schaffen, mit nur einer Hand den 150 Kilo schweren Tresor wegzudrücken, der den Eingang zu dem Verlies bildete. Mit Hilfe einer Stange als Hebel war dies laut Staatsanwaltschaft aber auf dem rutschigen Boden durchaus möglich.

ernst_h (c) APA

Die Rolle von H.: Der einstige Freund von Priklopil galt bei den neuerlichen Untersuchungen als Beschuldigter. Verdächtig hatte er sich vor allem durch zwei Tatsachen gemacht: Nur wenige Stunden nach der Flucht von Natascha Kampusch - aber bevor ihr Wiederauftauchen öffentlich bekannt geworden ist - hatte er bei einer ersten Befragung durch die Polizei gefragt "Hot er's umbrocht?'". Zudem hatte er Priklopil in etwa zum Entführungszeitraum 500.000 Schilling überwiesen. In seiner ersten Aussage meinte er, dass er Priklopil das Geld geborgt hat, weil dieser sich einen Porsche kaufen wollte.

Beide Aussagen hat H. revidiert. Demnach habe ihm Priklopil kurz vor seinem Selbstmord die Tat gestanden, was sein Insiderwissen erklärt. Die Summe von 500.000 Schilling, die H. im Zeitraum der Tat an Priklopil überwiesen hatte, sei Schwarzgeld aus Wohnungsverkäufen gewesen, das er am Finanzamt vorbeischleusen wollte. 460.000 Schilling habe Priklopil vom Konto seiner Mutter auf ein Firmenkonto von H. zurück überwiesen, den Differenzbetrag von 40.000 Schilling habe er für Materialeinkäufe verwendet.

Natascha zeigt sich erleicht
"Sie wünscht sich nun, dass diese haarsträubenden Gerüchte ein Ende finden." Mit diesen Worten kommentierten Natascha Kampuschs Medienberater am Freitag das Ergebnis der seit Oktober 2008 geführten Erhebungen bezüglich möglichen Komplizen ihres Entführers Wolfgang Priklopil. Die heute 21-Jährige habe sich erleichtert gezeigt, dass durch die Ermittlungen eine Reihe von Behauptungen aus der Welt geschafft werden konnten.

"Jetzt gibt es das Ermittlungsergebnis von den Experten und die haben mehr oder weniger jedes Gerücht noch einmal überprüft", so die Medienberater. Diese hätten sich allesamt als "nicht haltbar" erwiesen. Grundsätzlich habe man mit solch einem Ermittlungsergebnis gerechnet: "Sie (Kampusch Anm.) hat immer gesagt, sie hat keine Kenntnis von Mittätern", betonten die Berater neuerlich. Ihre Aussage sei nun ebenso betätigt, wie die Tatsache, dass es auch sonst keine Anhaltspunkte für Komplizen gebe.

Kampuschs Aussagen würden sich mit den Untersuchungsergebnissen der Polizei decken. So habe die damals zwölfjährige Tatzeugin nun bestätigt, dass sie im Entführungswagen doch nur einen Mann gesehen habe. Ihre ursprüngliche Aussage über zwei Beteiligte sei ein Irrtum gewesen.


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