13. November 2009 22:12

Ernst H. vernommen 

Priklopils letzte Stunden

Am Montag nimmt Kampusch im ORF erstmals zu neuen Ermittlungen Stellung. Priklopils Freund Ernst H. rückt durch Widersprüche mehr denn je ins Visier der Polizei.

Priklopils letzte Stunden
© APA

Möglicherweise gibt es am Montag eine entscheidende Wende in Österreichs spektakulärstem Entführungsfall: Nach langem Schweigen nimmt Opfer Natascha in der ORF-Sendung Thema exklusiv zu den neuen Ermittlungen und Spekulationen rund um ihre Entführung Stellung. Sie sagt: „Wenn es Mittäter gibt, müssen sie gefunden werden. Ich kenne keinen.“

Ermittler vernehmen Ernst H.
Im Visier der Polizei steht mehr denn je Ernst H., der beste Freund von Entführer Wolfgang Priklopil. Am Freitag hat ihn die Polizei einvernommen. Die Ermittler wollen herausfinden, ob er Mitwisser oder gar Mittäter im Fall Natascha ist. Wichtig sind dabei die letzten Stunden im Leben von Priklopil.

Kurze Rückblende: Am 23. August 2006 flüchtet Natascha Kampusch nach jahrelanger Gefangenschaft. Priklopil dreht durch, fährt in Panik von seinem Haus in Strasshof nach Wien. Er hält sich im Donauzentrum auf, dort wird er von den Kameras gefilmt (großes Foto). Danach ruft er Freund Ernst H. (45) an. Die beiden wollen sich treffen.

Priklopil und H. unterhielten sich Stunden
Genau hier beginnt der größte Widerspruch im Fall Natascha: Zwar findet kurz später das Treffen bei der Dresdner Straße statt. Aber: Zwischen der ersten Aussage von H. und neuen Erkenntnissen der Kriminalisten klaffen Welten. Zuerst hatte H. behauptet, dass das Treffen „nur wenige Minuten“ gedauert hat.

Jetzt haben Ermittler mit Handy-Peilung, Gesprächs-Analyse und Kriminaltechnik herausgefunden, dass sich Priklopil und H. mehrere Stunden lang ausgetauscht haben müssen. Die beiden sind in Priklopils Auto um Häuserblocks gefahren, entlang der Gleise der Ostbahn spaziert und haben viel geredet. Kurz danach wirft sich Priklopil vor die Gleise – er wählt den Freitod.

Die Falschaussage bringt Ernst H. in die Sackgasse: Er wird mittlerweile als Beschuldigter, nicht mehr nur als Zeuge geführt. Und die Polizei untersucht eine Reihe brisanter Fragen: Was haben die beiden so lange besprochen? Ist H. Mitwisser oder gar Mittäter? Was weiß er alles? Warum hat H. die Polizei angelogen? Sein Anwalt Manfred Ainedter: „An den Vorwürfen ist nichts dran.“


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