21. August 2009 07:02
Seit Monaten explodiert in Österreich die Kriminalität wie selten zuvor, und
auch die Zahl der Autodiebstähle erreicht jetzt einen neuen Höhepunkt: Von
Jänner bis Juli 2009 wurden österreichweit bereits 3.237 Pkw gestohlen – ein
sattes Plus um 32,07 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit wird
alle 100 Minuten in Österreich ein Wagen geknackt! Eindeutiger Spitzenreiter
ist dabei die Bundeshauptstadt: In Wien wurden in den ersten sieben Monaten
des Jahres mit 1.718 mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge gestohlen – allein
hier stieg die Zahl der Autodiebstähle im Vergleich zu 2008 um 71,6 Prozent.
Autodiebe sind perfekt in Banden organisiert
Ein ganz anderes
Bild zeigt sich dagegen im Westen des Landes: In Vorarlberg ging von Jänner
bis Juni die Zahl der Diebstähle um 46,7 Prozent zurück, in Kärnten wurden
35 Prozent weniger Autos gestohlen. „In Österreich gibt es ein ganz klares
Ost-West-Gefälle beim Diebstahl von Pkw. Der Grund dafür: Die meisten Diebe
verschieben die Fahrzeuge direkt in den Osten“, erklärt ÖAMTC-Experte
Steffan Kerbl.
Die Tricks der Kriminellen werden dabei immer dreister: Diese reichen von
einem banalen Schlüsseldiebstahl bis hin zur Störung der Funkfernbedienungen
und zum kompletten Ausbau der elektronischen Wegfahrsperre vor Ort. „Da
stecken ganze Organisationen dahinter, Gelegenheitsdiebe findet man beim
Autoklau nicht“, so Kerbl.
„Die Banden sind sehr gut und arbeitsteilig organisiert, mit unserer
polizeilichen Arbeit ist es schwer, dem beizukommen“, meint daher auch der
Chef der Wiener Kriminalpolizei Christof Hetzmannseder.
Kaum Schutz vor den Autoknackern möglich
Die Hoffnung auf
ein baldiges Absinken der Zahl der Autodiebstähle sieht Hetzmannseder eher
gering: „Wir haben bereits ein sehr hohes Niveau erreicht, das zumindest in
den kommenden Monaten wieder langsam fallen sollte.“ Er rät: Den Kriminellen
den Autoklau mit funktionierenden Alarmanlagen, GPS-Sendern und
Lenkradsperren zusätzlich schwerzumachen – denn Diebe gehen immer den Weg
des geringsten Widerstandes. Würde der Raub vor Ort zu lange dauern, suchen
sich die Diebe gleich ein anderes Fahrzeug aus. „Aber einen 100-prozentigen
Schutz vor einem Diebstahl gibt es leider nicht“, so Hetzmannseder.
|
VW und Audi bei Dieben besonders beliebt Nicht jeder
Pkw-Besitzer ist derzeit von der Diebstahlswelle gleichermaßen
betroffen: Besonders Inhaber von Pkw der Marken Volkswagen, Audi, BMW
und Mercedes müssen zittern, denn: Deutsche Automarken sind derzeit
in Österreich das beliebteste Diebesgut überhaupt.
Der Grund: „Da die meisten Fahrzeuge in den Südosten verschoben
werden, reagieren die Diebe hier besonders auf die Wünsche ihrer
Kunden. Und die fragen besonders deutsche Mittelklassewagen nach“,
weiß Christof Hetzmannseder, Chef der Wiener Kriminalpolizei. Auch der
Markt an Ersatzteilen und Fach-Werkstätten ist für die deutschen
Karossen in Osteuropa größer als für andere Automobiltypen.
Ungewöhnlich: Teure Luxus-Fahrzeuge von Porsche, Ferrari &
Co. werden derzeit kaum gestohlen. Einerseits wäre die Flucht mit
den Autos über die Ostgrenzen zu auffällig, andererseits fehlt dann
im Ausland ebenso der Markt, um die Fahrzeuge wieder zu verkaufen.
Donnerstag beliebtester Tag. Wichtiges Detail am Rande: Nicht jeder
Wochentag ist gleich von Autodiebstählen betroffen. Aktuelle
Auswertungen zeigen: Besonders der Donnerstag wird von Kriminellen für
ihre Coups genutzt. Die Polizei verzeichnet hier 20 Prozent aller
Autodiebstähle.
|