25. November 2009 10:38

"Stier von Serbien" 

Prozess gegen Mörder des Boxchampions

Edip Sekowitsch wurde in einem Wiener Lokal erstochen. Ein 26-jähriger Tschetschene steht vor Gericht,

Prozess gegen Mörder des Boxchampions
© APA

Am Mittwoch muss sich jener Mann wegen Mordes vor einem Wiener Schwurgericht verantworten, der im Vorjahr den ehemaligen Boxchampion Edip Sekowitsch (50) vor seinem Lokal "Champ's Pub" in Wien-Wieden erstochen hat.

poli (c) Der Tatort: Hier wurde Sekowitsch erstochen

Zug verpasst - ab ins Pub
Dem Tschetschenen drohen im Fall eines Schuldspruchs zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft. Der 27-jährige war am 26. August 2008 rein zufällig in das Lokal "Champ's Pub" gekommen, das Edip Sekowitsch unweit des Wiener Südbahnhofs betrieb. Der Mann hatte den letzten Zug nach Graz versäumt, wo er seine Mutter besuchen wollte. Er setzte sich daher an die Bar und begann zu trinken, wobei er mit Sekowitsch zu plaudern begann. Die Unterhaltung soll sich unter anderem um Religion und Politik gedreht haben und recht hitzig verlaufen sein.

angeklagter_300 (c) Der Angeklagte: Am Mittwoch wird ihm der Prozess gemacht

Auf andere Lokalgäste machte der Tschetschene einen aggressiven Eindruck. Einer flüchtete sich sogar zu Sekowitsch hinter die Schank, wobei jenem auffiel, dass der 27-Jährige ein Klappmesser mit sich führte. "Lass dein Messer stecken", verlangte der als "Stier von Serbien" bekanntgewordene Boxer.

Gegen 5.30 Uhr schloss Sekowitsch sein Lokal. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur mehr der Tschetschene und ein weiterer, bis heute unbekannt gebliebener Mann in der Gaststätte, der sich jedoch rasch davonmachte, als zwischen den beiden anderen ein Streit entbrannte, in dessen Verlauf der 27-Jährige sein Messer zückte.

Erster Stich ins Gesicht
Den ersten Stich ins Gesicht kassierte der unbewaffnete Sekowitsch noch im Eingangsbereich des Pubs. Er versuchte daraufhin, sein vor dem Lokal geparktes, abgesperrtes Fahrzeug zu erreichen. Der Tschetschene folgte ihm und stach dem zum Tatzeitpunkt 50-Jährigen vier weitere Male in Gesicht, Hals und Brust.

15-cm-Stich ins Herz
Sekowitsch versuchte sich noch zu wehren, indem er seine Armbanduhr über die Finger zog, damit einen provisorischen Schlagring bildete und dem Angreifer einmal auf den Kopf schlug. "Es war das letzte Aufbäumen eines tödlich getroffenen Mannes", sagte dazu der Staatsanwalt. Denn der letzte Stich war Sekowitsch mit einer Tiefe von 15 Zentimeter in die Brust gedrungen und hatte Lunge und Herz beschädigt. Der frühere Boxchampion verblutete hilflos wenige Meter von seinem Lokal entfernt.

Verteidiger Lennart Binder behauptete, der Angeklagte habe sich "nur gewehrt". Sein Mandant habe das Lokal bereits verlassen gehabt und sei nur mehr zurück gekommen, weil er seinen Rucksack vergessen hatte. Sekowitsch, der sich zuvor schon negativ über den Glauben des Muslims und dessen Herkunft geäußert hätte, habe ihm dann "nur Schwierigkeiten gemacht".

Dass der 27-Jährige bewaffnet war, habe den Boxer zusätzlich "angestachelt", so Binder. Dieser habe den Kampf gesucht: "Es muss ihn der Teufel geritten haben. Offenbar muss er einen Nervenkitzel in diesem ultimativen Boxkampf gefunden haben."


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