17. April 2009 08:59

Prominente Opfer 

Prozess gegen "Opernball"-Bande

Zwei mutmaßliche Anführer der "Opernball"-Bande standen vor Gericht.

Prozess gegen "Opernball"-Bande
© TZ ÖSTERREICH

Überaus turbulent ist am Freitag am Wiener Landesgericht der Prozess gegen die zwei mutmaßlichen Anführer der 28-köpfigen "Opernball-Bande" verlaufen. Dem Mann und der Frau werden 96 der insgesamt 290 Einbrüche angelastet. Obwohl nur ein Teil der 125 Geschädigten erschienen war, war der Gerichtssaal 211 völlig überfüllt. Etliche der anwesenden Einbruchsopfer schlossen sich als Privatbeteiligte der Anklage an.

Wortgefechte
Richterin Claudia Geiler hatte alle Hände voll zu tun, um den Angeklagten sowie dessen Verteidiger im Zaum zu halten. Als ein Zeuge befragt wurde, kam es immer wieder zu Wortduellen zwischen der Vorsitzenden und dem Anwalt.

Der Mann hatte nämlich ab Herbst 2007 dem Angeklagten ein Zimmer in seiner Wohnung in Wien-Brigittenau untervermietet. Und in dieser Wohnung erfolgte nicht nur die Verhaftung des Verdächtigen, es wurden auch zahlreiche Utensilien gefunden, die bei den Einbrüchen verwendet worden sein könnten.

Einbrüche auch mit Gips möglich
Außerdem wurde ausführlich über eine Gipshand des Angeklagten diskutiert, bis sich die Vorsitzende in die Debatte einschaltete und meinte, dass man auch mit eingegipsten Armen Einbrüche verüben könne.

Angeklagte zeigen sich nur teilschuldig
Von den 96 angelasteten Fakten, die sich allesamt aus Telefonüberwachungen ergeben hatten, zeigte sich der Angeklagte lediglich in einem einzigen Fall geständig, die Zweitbeschuldigte in "sieben bis acht". Die Verteidigung stellte einen weiteren Beweisantrag, der nun klären soll, ob nicht möglicherweise mehrere Personen in der Wohnung untergebracht waren bzw. dass die Räumlichkeiten nicht an den Angeklagten sondern vielleicht an eine dritte Person weitergegeben worden war. Laut Anwalt sei es nämlich nicht klar, ob das Einbruchswerkzeug tatsächlich dem Beschuldigten gehörte.

Prominente Opfer
Zu den Opfern der "Opernball-Bande" zählten nebst betuchten Anwälte, Ärzten und Wirtschaftstreibenden auch einige prominente Persönlichkeiten, wie etwa Helene von Damm, die ehemalige US-Botschafterin in Wien, der Schauspieler Karl-Heinz Hackl und der Regisseur Peter Patzak, dem unter anderem sein Laptop mit einem bisher unveröffentlichten Drehbuch gestohlen worden war. Zur Verhandlung selbst sind sie jedoch nicht erschienen. Den mutmaßlichen Bandenchefs drohen im Fall eines Schuldspruchs bis zu zehn Jahre Haft.

Der Prozess wird am 15. Mai, um 9.00 Uhr fortgesetzt. Ein möglicher weiterer Termin ist der 5. Juni.


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