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Prozess in Wien: Blutbad wegen Foto

Familienfehde

Prozess in Wien: Blutbad wegen Foto

Wegen einer blutigen Familienfehde, die im vergangenen Oktober auf einer Grünfläche in Wien-Floridsdorf völlig aus dem Ruder lief, haben sich am Donnerstag sechs Männer vor Gericht verantworten müssen. Auslöser des Streits war ein Foto einer jungen Frau im Arm eines Mannes, was für deren Vater eine Ehrenbeleidigung bedeutete. Am Ende waren vier Männer teils schwer verletzt.

Die beiden Familien stammten aus dem gleichen Dorf in Tschetschenien, lebten aber bereits seit Jahren in Wien und in der Steiermark. Im Oktober machte plötzlich das Foto der Tochter des 48-Jährigen die Runde. Schnell war ein 42-Jähriger als Verbreiter ausfindig gemacht, er soll das Bild fünf bis sechs Leuten aus der Heimat gezeigt haben. Zu viel für den Vater der Frau, der allerdings seit drei Jahren keinen Kontakt mehr zur Tochter hat.

Auf einer Wiese in Floridsdorf wurde ein Treffpunkt ausgemacht, um sich auszusprechen. Ab da scheiden sich die Aussagen der Männer, die sich vor Einzelrichter Norbert Gerstberger nur teilweise schuldig bekannten. Beide Parteien sprachen von Notwehr. Der 42-Jährige gab an, dass auf ihn eingeprügelt und mit einem Messer eingestochen worden sei, daraufhin habe er eine Waffe gezogen und "in den Boden geschossen". Mit einer serbischen Zastava schoss er auf den Vater der Frau sowie zwei weiteren Familienmitgliedern in die Beine. Der 48-Jährige erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass er in künstlichen Tiefschlaf versetzt werden musste und sich bis heute in stationärer Behandlung befindet, wie seine Anwältin Sonja Scheed ausführte.

Die Kontrahenten des 42-Jährigen erzählten hingegen eine ganz andere Geschichte. Kaum hätte die Unterredung begonnen, "hat er hinten aus der Hose die Pistole gezogen und sofort geschossen". Um ihn am Schießen zu hindern, hätten die Familienmitglieder auf ihn eingeprügelt.

Die sechs Männer waren wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung bzw. schwerer Körperverletzung angeklagt. Ein siebentes Familienmitglied saß ebenfalls auf der Anklagebank, weil er mit seinen Verwandten in der Steiermark zudem einen versuchten gewerbsmäßigen Diebstahl begangen haben soll, indem sie in einem Supermarkt Lebensmittel und Alkoholika im Wert von 1.340 Euro mitgehen lassen wollten.
 

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