16. April 2009 20:02
Eine neue Nichtraucherinitiative war in den vergangenen sechs Wochen in ganz
Österreich unterwegs, um Lokale auf das Tabakgesetz zu überprüfen. Erstes
Fazit: „Wir werden am Montag Hunderte Anzeigen alleine für Wien übergeben“,
so Dietmar Erlacher, der Gründer der Selbsthilfegruppe „Krebspatienten für
Krebspatienten“ (siehe Interview rechts).
Wiener Innenstadt völlig überprüft
Damit wird im
Kampf um das umstrittene Rauchergesetz eine neue Front eröffnet. Rund 50
Mitglieder des Vereins waren in der Freizeit unterwegs, um zu überprüfen, wo
rechtswidrig geraucht wird und ob die verpflichtenden Raucherplaketten
ordnungsgemäß angebracht sind. „Den ersten Bezirk in Wien haben wir zu 100
Prozent überprüft“, so Erlacher. „Die Ergebnisse werden einen Hinweis geben,
wie es im restlichen Land um die Einhaltung des Gesetzes bestellt ist.“
Damit rollt eine neue Anzeigewelle auf die Wirte zu. Schon jetzt gibt es
laut ÖSTERREICH-Informationen mehr als 1.200 Anzeigen:
-Alleine in Wien wurden bis vergangene Woche 800 Anzeigen registriert.
Tendenz steigend. In wenigen Tagen wird hier die Tausend-Anzeigen-Marke
geknackt sein.
-In Niederösterreich gibt es bisher 130 Anzeigen. Alleine in der SCS wurden
aber von Krebspatienten für Krebspatienten weitere 43 Lokale angezeigt.
-In der Steiermark wurden bisher 140 Lokale bei den Behörden gemeldet, die
meisten davon in Graz. Für Aufsehen sorgte kürzlich die Anzeige gegen den
Promi-Wirten Charly Temmel, Besitzer des Operncafés. Er hat auch in Los
Angeles Lokale, ist einer der Lieblingswirte Arnold Schwarzeneggers.
-Weniger Anzeigen gab es bisher in Linz (90) und Tirol (50). In Salzburg
hält sich die Zahl mit erst 15 offiziellen Anzeigen noch in Grenzen. Auch
aus Kärnten, Vorarlberg und dem Burgenland gibt es bisher keine Anzeigenflut.
Telefone laufen heiß
Auch bei Robert Rockenbauer, dem
Vorsitzenden des Schutzverbandes für Nichtraucher, laufen die Telefone noch
immer heiß. „Ich habe bereits 442 ungelesene E-Mails. Ich schaffe das Ganze
nicht mehr. Es gibt so viele Meldungen über Wirte, die sich nicht an die
Gesetze halten“, stöhnt Rockenbauer.
Die Politik schaut dem Anzeigen-Treiben unbeeindruckt zu.
Gesundheitsminister Alois Stöger (SP) will weiterhin das Gesetz ein Jahr
lang auf seine Sinnhaftigkeit beobachten.