01. Jänner 2009 15:25
Für die Kombination Zigarette und Kaffee ist es mit dem Jahreswechsel in
vielen Lokalen vorbei: Seit Mitternacht herrscht in heimischen Gaststätten
ein generelles Rauchverbot, Ausnahmen gelten nur noch in bestimmten Fällen.
Die neue Regelung führte bereits am 1. Jänner in machen Einrichtungen zu
Ärger bei den Gästen. Angestellte zeigten sich vereinzelt noch unwissend.
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"Erniedrigend"
"Ich stell mich zum Rauchen doch nicht
vor die Tür! Das ist erniedrigend", empörte sich eine Frau im ab sofort als
Nichtraucherrestaurant ausgewiesenem Gulaschmuseum in der Wiener Innenstadt.
"Man raucht ja nicht viel, aber nach dem Essen hätt' ich schon gern eine
Zigarette. Wozu geht man denn sonst noch fort?" Während des Urlaubs, in
anderen Ländern, habe sie auch "nichts dagegen", erklärte sie. "Aber da wird
es mir auch ermöglicht, vor der Türe zu rauchen. Da wird mir draußen auch
etwas geboten."
Der Ehemann, Nichtraucher, nahm die Sache hingegen gelassener: "Ich verstehe
beide Seiten. Aber man müsste der Öffentlichkeit noch mehr bewusst machen,
dass das Gesetz nicht einfach gegen die Raucher geht, sondern um
Mitarbeiterschutz und darum, dass es auch für Nichtraucher so angenehmer
wird."
Bereits erste Kontrollen
Für die Mitarbeiter des Gulaschmuseums
war das neue Gesetz kein Thema: "Wir hatten vorher auch schon 90 Prozent
Nichtraucher, selbst die Raucher sind für die Zigarette hinausgegangen." Den
ersten Kontrollgang durch einen Mitarbeiter des Magistrats hatte man am
Neujahrstag auch schon hinter sich. Nur bei der Plakette war man sich im
Restaurant vorerst noch nicht ganz sicher gewesen, welche die richtige für
ein Nichtraucherlokal ist - und klebte dementsprechend oft je nach von
Besuchern geäußerten Überlegungen um.
Rauchen, wann und wo man will
Vor der nur rund 30 Quadratmeter
großen Pizzeria "La Norma", die ab sofort ein Raucherlokal ist, diskutierte
eine Gruppe junger Menschen über die Regelung. "Das gibt es doch schon in
vielen anderen Ländern - war ja nur Österreich bisher so unfortschrittlich",
meinte eine Frau und stieß damit auf Gegenwind eines Bekannten. "Ich will
trotzdem rauchen, wann und wo ich will", betonte dieser.
Unwissende Angestellte
Aber man traf auch noch auf völlig
unwissende Lokalangestellte. "Der Chef ist nicht da, ich weiß nichts. Bei
uns bleibt es erstmal, wie es ist", erklärte z. B. ein Mitarbeiter des eines
Cafes in der City. Auf die Frage nach der Plakette gab es ein
Schulterzucken. "Die Plakette? Ja, die sollte ab heute kleben. Das Gesetz
gilt ab heute", half eine Kollegin des Mannes nach. "Echt?" lautete die
Antwort.
Zwei Rauchsalons in der Lugner-City
Auch in der Wiener
Lugner-City wurden zwei Rauchsalons eingerichtet, berichtete Ex-Baumeister
Richard Lugner. Im "City-Restaurant" gibt es demnach ab sofort einen
abgeschlossenen Bereich für etwa 100 Raucher, im Kino wurde ein bisher für
Partys genutzter Raum zum Qualmzimmer umfunktioniert. Die neue Regelung
sieht Lugner "sicher als ein Problem. Ich bin zwar nicht Nichtraucher aber
meiner Meinung nach geht man ein bisschen brutal gegen Raucher vor."
Plaketten fehlen oft
Schon unmittelbar nach Mitternacht war in
vielen Lokalen der Wiener Innerstadt noch wenig von den neuen
Nichtraucher-Bestimmungen zu bemerken gewesen. Manche Restaurants und Cafes
hatten noch nicht einmal die verpflichtende Plakette an der Tür angebracht,
bei einigen Wirten fand sich wiederum ein nicht mehr aktueller Sticker im
Eingangsbereich. Diesbezügliche Farbänderungen dürften noch nicht einmal
allgemein bekannt sein: "Aha, gibt's also wieder was Neues", meinte etwa ein
Lokalbetreiber unweit des Stephansdoms überrascht.