22. Jänner 2008 13:28
Es war ein eher frostiges Zusammentreffen am Dienstag im Wiener
Straflandesgericht zwischen Ludwig Koch und Brigitta Sirny-Kampusch, den
Eltern von Natascha Kampusch. Anlass: Der Vater hatte den Ueberreuter-Verlag
wegen übler Nachrede und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches
geklagt, weil er sich durch das Buch seiner Ex-Frau verleumdet erachtete.
Der Rechtsstreit wurde außergerichtlich mit einem sogenannten
Generalvergleich beigelegt.
"Einer, der gerne trinkt"
Brigitta Sirny-Kampusch hatte
in dem im vergangenen August erschienenen Band "Verzweifelte Jahre" aus
ihrer Sicht über die Entführung und achteinhalbjährige Gefangenschaft ihrer
Tochter berichtet. Natascha Kampuschs Vater kam dabei gar nicht gut weg.
Unter anderem wurde er als "einer, der gern trinkt" und als Spieler
dargestellt.
Verlag bedauert "Boulevardisierung"
"Ich möchte nicht
in der Haut des Herrn Koch stecken", bemerkte dazu sein Anwalt Michael Rami
in der heutigen Verhandlung. Fritz Panzer, einer der beiden Geschäftsführer
des Ueberreuter Verlags, erklärte daraufhin, man habe "versucht, das Buch so
seriös wie möglich zu machen". Es sei "sehr viel herausgenommen" worden.
Panzer räumte jedoch ein, die "Boulevardisierung" habe dem Verlag "nicht gut
getan".
Zur Führung von Vergleichsgesprächen schloss Richterin Alexandra Mathes
danach die Öffentlichkeit aus. Dabei einigten sich die Streitparteien auf
einen Generalvergleich, mit dem nicht nur das medienrechtliche, auf
Schadenersatz und Urteilsveröffentlichung gerichtete Verfahren, sondern auch
eine anhängige Unterlassungsklage aus der Welt geschafft werden konnten.
7. 500 Euro Entschädigung
Wie Kochs Rechtsbeistand nach der
Verhandlung auf darlegte, habe sich der Verlag bereiterklärt, seinem
Mandanten eine Entschädigung von 7.500 Euro zukommen zu lassen und sämtliche
Verfahrenskosten zu übernehmen. Weiters soll es eine Art
Entschuldigungsschreiben geben, in dem der Ueberreuter Verlag klarstellen
wird, dass man Ludwig Kochs Ehre nicht verletzen wollte und es bedaure,
sollte in der Öffentlichkeit eben dieser Eindruck entstanden sein. "Herr
Koch ist mit dieser Lösung einverstanden. Der Verlag hat sich sehr anständig
verhalten", betonte Rami.
Ueberreuter-Geschäftsführer Panzer wollte nicht auf den Inhalt des
Vergleichs eingehen, kündigte jedoch an, man werde die Ehrenerklärung in den
kommenden Tagen veröffentlichen. Grundsätzlich sei der Rechtsstreit "keine
erfreuliche Geschichte" und "eher unangenehm" gewesen.