10. 12. 2008, 06:42

Burgtheater

Burgtheater-Drama bewegt ganz Europa

© Cornelia Schrader

In Schillers „Maria Stuart“ brach der Schauspieler Daniel Hoevels zusammen. Für eine Selbstmordszene hatte man ihm ein scharfes Messer zugesteckt.

Von Hamburg bis Budapest ist der ÖSTERREICH-Bericht über Schauspieler Daniel Hoevens, der sich als Mortimer in Maria Stuart die Kehle aufschnitt, Gesprächsthema. Samstag um 21.14 Uhr erlebten Besucher des Wiener Burgtheaters nämlich nicht nur Schillers Drama Maria Stuart, sondern - ohne es zu wissen - auch eine Tragödie auf der Bühne mit: Im fünften Akt erkennt Mortimer, gespielt vom feschen Hamburger Hoevens (30), dass sein Mordanschlag auf Königin Elisabeth gescheitert ist – und richtet sich selbst.

Strafanzeige
Doch als der Schauspieler mit einem Theatermesser seine Kehle aufschlitzt, fließt plötzlich echtes Blut. Hoevels knickt ein, wankt hinter die Bühne und bricht dort zusammen. Der Grund ist mittlerweile Gegenstand einer Strafanzeige: Requisiteurin Anika S. (37) hatte dem Mimen – aus Schlamperei oder Versehen – eine scharfe Klinge mit auf die Bühne gegeben. Es war der fatale (und beinahe letale) Höhepunkt eines Gastspieles des deutschen Thalia-Theater-Ensembles an Österreichs Staatsbühne.

Von der Burg ins Spital
Während das Stück zu Ende ging, wurde Opfer Hoevels von einem Notarzt versorgt und dann mit der Rettung ins Lorenz-Böhler-Spital gebracht. Dort stellten Mediziner eine „tiefe Schnittwunde durch Haut und Fettgewebe“ fest. „Hätte der Schauspieler mit dem Messer nur ein wenig fester aufgedrückt oder gar eine Arterie erwischt, wäre er vermutlich auf der Bühne verblutet“, so ein Arzt zu ÖSTERREICH. So aber konnte Daniel Hoevels nach ambulanter Behandlung in derselben Nacht noch zurück ins Hotel und zu seinem Ensemble.

Bühnenpanne
Ermittlungen zeigen mittlerweile die Vorgeschichte der schweren Bühnenpanne: Laut Polizeiprotokoll waren die Hamburger Künstler zu ihrem zweitägigen Gastspiel mit einem defekten Theatermesser im Requisitenkoffer angereist. Weil der Feitel klemmte, wurde in Wien eilig ein Klappmesser zugekauft. Job von Requisiteurin Anika S. wäre gewesen, die Klinge vor ihrem Einsatz stumpf zu machen – was sie aber vergaß. „Auf dem Messer klebte sogar noch das Preisschild“, schüttelt ein Ermittler den Kopf.

Verdacht
Anfangs gingen Cops der Dienststelle Innere Stadt sogar misstrauisch davon aus, dass der Schauspieler absichtlich in Lebensgefahr gebracht wurde. Mögliche Motive heimtückischer Ränke mitten auf einer der größten Bühnen Europas: enttäuschte Liebe, Eifersucht, Neid oder auch kriminelle Konkurrenz unter Darstellern.

Doch jetzt scheint klar: Die Requisiteurin konnte ihr Versagen glaubwürdig als Unterlassungssünde darstellen und wurde nur wegen fahrlässiger Körperverletzung angezeigt. Und auch das Opfer, seit 2005 festes Ensemblemitglied des Thalia Theaters, atmet auf. Nach einigen Stunden Schockstarre ist Daniel Hoevels heilfroh, nicht wirklich über die Klinge gesprungen zu sein wie seine Bühnenfigur Mortimer: „Mit geht es schon wieder ganz gut. Bei dieser Szene werde ich aber jetzt mein ganzes Berufsleben lang ein mulmiges Gefühl haben.“

Vertuscht
Am Sonntag trat der Schauspieler - mit dezentem Halsverband - schon wieder am Burgtheater auf. Montag reiste er nach Hamburg zurück, um für eine Premiere am Wochenende zu proben: Die Leiden des jungen Werther.

Ob die nachlässige Inspizientin ihren Job behalten wird, ist fraglich. An der Leitung des Burgtheaters hängt das Schicksal der Deutschen nicht. Denn dort hätte man das schmerzhafte Hoppala gern verschwiegen. Erst eine Anfrage von ÖSTERREICH machte die Messerstory publik.

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pilot01 meint am 12.12.2008 10:54

dass es keine Schusswaffe war.

thamnophis meint am 10.12.2008 10:19

shit happens ^^

politischunkorrekt meint am 10.12.2008 07:24

das war evt ein Theaterstück im Theater.Vielleicht haben die Anika S und der Schauspieler ein Verhältnis ???? Der Stoff für einen Krimi könnte nicht besser sein.Er soll froh sein das es keine Szene mit dem Fallbeil war.

terrorcat meint am 11.12.2008 09:20

dieser stoff war schon so oft thema eines krimis. gestern in einem polizeiruf 110, da wurde der darsteller halt erschossen :-)
aus versehen ein scharfes messer zuzustecken, das doch genau so ausschaut wie das fake (merkt man das echt nicht?), ist halt doch irgendwie unglaubwürdig. :-)

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