19. September 2009 11:29
Gaganpreet Singh K. ging gerne in den Prater. Er war einer, der Zeitungen
austrug und in einer Pizzeria jobbte. Einer, der mit diesem Geld seine
Mutter und seine jüngeren Geschwister daheim im indischen Panjab ernährte.
Einer, der drei Jahre lang illegal in Österreich lebte, bis er bei einem
Autounfall aufgegriffen wurde und am 14. September nach 38 Tagen
Hungerstreik in der Schubhaft starb.
Politisch verfolgt
Warum, das ist noch nicht geklärt. Und bis zum
endgültigen Obduktionsergebnis Anfang kommender Woche lässt diese Frage die
Wiener Sikh-Gemeinde verzweifeln. „So etwas darf nicht passieren. Ein
junger, gesunder Mann darf in Österreich nicht in der Schubhaft sterben“,
sagt Sukhdev Singh, „der hat immer gelacht und war ein lieber Kerl.“
Ob er in Indien tatsächlich verfolgt wurde, weiß er aber nicht: „Von 1984
bis 2000 sind in Panjab 300.000 junge Sikhs getötet worden. Vielleicht hatte
er auch Probleme und ist deshalb nach Österreich gekommen.“ Sukhdev selbst
ist Österreicher und lebt seit 20 Jahren in Wien. Es gab noch nie Probleme
mit der Polizei: „Die waren immer sehr freundlich. Und wir auch. Sikhs sind
friedliebende Menschen. Für uns sind alle gleich. Diese Negativ-Schlagzeilen
über uns machen uns zu schaffen.“ Nach der Schießerei in einem Tempel im 15.
Bezirk am 24. Mai ist die Stimmung noch immer gedrückt.
Fahrlässige Tötung
Die Sikh-Gemeinde im Tempel in der
Langobardenstraße fordert eine rasche Aufklärung von Gaganpreets Tod. Noch
steht der histologische Befund aus. Verhungert ist er jedenfalls nicht. Zum
Todeszeitpunkt wog er 72 Kilo.
Jetzt muss geklärt werden, ob der Tod kausal mit dem Hungerstreik
zusammenhängt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung –
noch – gegen unbekannt.