15. April 2009 20:45
Martin Balluch (44) fühlt sich, als habe ihn ein Riese bei den Weichteilen
gepackt und dann langsam die Faust geballt. 30 Monate wurde der Doppeldoktor
(Physik, Philosophie) von einer Soko aus Elite-Polizisten heimlich
belauscht, mit Peilsendern verfolgt und observiert. Am 21. Mai des Vorjahres
drangen maskierte WEGA-Cops mit Rammböcken in die Wohnung des Wieners ein.
Dann schmorte er 104 Tage in U-Haft.
Mächtige Gegner
Das angebliche Verbrechen von DDr. Balluch:
Er ist ein kompromissloser Idealist und hat nach seinem Studium nicht
herkömmlich Karriere gemacht, sondern sein Leben dem Tierschutz
verschrieben. Als Obmann des „Vereins gegen Tierfabriken“ (VGT) hat Balluch
mächtige Lobbys gegen sich aufgebracht: Zum Beispiel Lebensmittelketten
(Legebatterien, Massentierhaltung), Textilhändler (Pelze) und die
Jägerschaft.
Anschläge
Zudem geriet der Tierschützer immer wieder in den
Verdacht von Rabauken-Aktionen. Beispiele dafür sind ein Buttersäureanschlag
auf ein Modehaus, Brandstiftungen bei einer Bettfedernfabrik und einer
Schweinemast oder Sachbeschädigungen im Revier von Jagdgesellschaften.
Denn
im VGT versammeln sich nicht nur mittlerweile 18.000 Mitglieder mit einem
großen Herz für Tiere, sondern auch rund 300 radikale Tierrechtsaktivisten.
Für das Bundeskriminalamt (BKA) offenbar eine Art Mafia.
Kein Beweis
Denn im vertraulichen Gespräch mit ÖSTERREICH staunt
ein BKA-Cop: „Wenn wir gegen Dealer, Kinderpornografen oder verdächtige
Russen ermitteln, ist jede Überstunde ein Problem. Im Fall VGT aber war Geld
nie ein Thema.“ Um so verblüffender daher das Ergebnis der Ermittlungen, das
jetzt auf 78 Seiten vorliegt. Denn es stellt Balluch zwar in den „Verdacht
der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation (§ 278 StGB,
Strafdrohung: bis zu fünf Jahre Haft). Aber zu keiner einzigen der
angelasteten Straftaten gelang den Spitzenpolizisten ein Beweis für die
Täterschaft oder auch nur Komplizenschaft des Doppeldoktors. Der angebliche
Mafia-Boss ist trotzdem am Ende. Balluch: „Die Anwaltskosten waren bisher
schon horrend. Ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll.“ Dem Vernehmen
nach droht ihm im Herbst ein Strafprozess. Und der kann Monate dauern.