05. Jänner 2010 22:08

Räuber getötet 

Trafikant: "Schoss um mein Leben"

Am Tag nach dem Showdown in einer Trafik in Wien wird klar, warum der Geschäftsmann schoss: Aus Angst, dass der Räuber zuerst abdrückt.

Trafikant: "Schoss um mein Leben"
© Fally

„Ich habe mich so gefürchtet, als der Mann mit der Pistole auf mich zielte. Und ich war mir sicher, dass er gleich abdrücken wird“, so rechtfertigte sich jener Wiener Trafikant, der am Montag einen Räuber in seinem Geschäft in der Vorgartenstraße erschoss – ÖSTERREICH berichtete ausführlich. Nie im Leben habe er den Mann töten wollen, beteuerte Werner B. (63) bei der Einvernahme am Montagabend und den ganzen Dienstagvormittag durch die Ermittler der Kriminaldirektion 1.

„Verscheuchen“
Bei der Befragung durch die Beamten gab der Trafikant weiters an, dass er instinktiv nach der Pistole gegriffen und abgedrückt habe. „Ich wollte ihn einfach aus meinem Geschäft draußen haben, ihn verscheuchen.“

Der Schuss aus der Smith & Wesson Kaliber 38 ging zwischen den Bildschirmen des Kassen-Terminals und des Lotto-Bildschirms los. Die Kugel durchbohrte die rechte Brust des Räubers und dürfte mehrere große Blutgefäße zerfetzt haben. Getroffen taumelte der Mann aus dem Geschäft, verlor auf 20 Metern bis zur anderen Straßenseite einen Sturzbach an Blut und brach schließlich am Straßenrand zusammen. Neben der Leiche fand die Polizei seine Pistole – die sich nachträglich als täuschend echte Attrappe herausstellte.

Rumänischer Pass
Mittlerweile steht auch die Identität des verstorbenen Trafikräubers so gut wie fest: Bei dem Mann wurde ein rumänischer Pass sichergestellt, der ihn als den 23-jährigen Dorel M. ausweist. Anfangs hatte die Ermittler noch Zweifel an der Echtheit der Papiere. Die rumänische Polizei wurde kontaktiert, die jetzt auch aufrollen soll, ob Dorel M. eine kriminelle Vorgeschichte hat.

In Internetforen gab der Rumäne Wien als Wohnort an. Allerdings ist er weder in der Bundeshauptstadt noch irgendwo anders in Österreich offiziell gemeldet. Obwohl der Trafikant die Sympathie auf seiner Seite hat, ist die Polizei über solche privaten Schusswaffen-Einsätze nicht sonderlich begeistert. Die Kriminalisten raten Überfallopfern, sich besser passiv zu verhalten.

Abschreckung
Peter Trinkl, Bundesobmann der Trafikanten, rät im ÖSTERREICH-Gespräch seinen Kollegen ebenfalls, sich bei einem Überfall ruhig zu verhalten. Allerdings sagt er auch: „Der Fall könnte abschreckende Wirkung haben, wenn diese Leute merken, dass es nicht so einfach ist, eine Trafik zu überfallen – weil eben auch von der anderen Seite Blei kommen könnte.“

Werner B. (der vor zwei Jahren bereits einmal überfallen wurde) hatte übrigens seit Jahren einen Waffenpass. Der Staatsanwalt überprüft trotzdem, ob er die Notwehr überschritten hat.

Freund des Trafikanten: "Er hat abgedrückt, weil er in Panik war."

ÖSTERREICH: Wie haben Sie vom Überfall erfahren?

Gerhard Seehuber: Ein Kunde hat mich informiert, dann bin ich gleich zum Tatort gerannt. Ich habe mir Sorgen gemacht, ich kenne Werner schon 26 Jahre lang. Als ich wusste, dass er überlebt hat, war ich erleichtert.

ÖSTERREICH: Wie ist Ihr Verhältnis zueinander?

Seehuber: Wir sind Konkurrenten, haben aber ein freundschaftliches Verhältnis. Ich besuche ihn oft in seiner Trafik.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie ihn kennengelernt?

Seehuber: Er hat die Trafik alleine geführt und ist jeden Tag im Geschäft gestanden. Er ist die Ruhe in Person, war immer nett zu den Kunden. Nichts hat ihn erschüttert. Auch wenn Jugendliche laut waren – Werner war immer freundlich. Und dann passiert so etwas, kurz vor der Pension.

ÖSTERREICH: Wie können Sie den Schuss erklären?

Seehuber: Werner ist nicht aggressiv oder gewalttätig – ganz im Gegenteil. Aber er muss vom Räuber bedroht worden und in Panik gewesen sein. Sonst hätte er nie geschossen. Es war sicher eine Kettenreaktion.


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