04. Jänner 2010 18:41

Wien-Leopoldstadt 

Trafikant erschießt Räuber

Tödlicher Überfall: Ein Mann wollte eine Trafik in Wien ausrauben. Der Trafikant erschoss den Räuber.

Trafikant erschießt Räuber
© APA
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© Fally
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Der Trafikant, der am Montagabend in Wien-Leopoldstadt einen Räuber erschoss, hat einen ungezielten Schuss "aus der Situation heraus" abgegeben.

"Massiv bedroht gefühlt"
Das hat der 63-Jährige bei den Einvernahmen ausgesagt, berichtete Polizeisprecher Roman Hahslinger am Dienstag. Der Mann habe sich massiv bedroht gefühlt, als ihm der Räuber mit einer echt aussehenden Schusswaffe gegenüberstand.

Schreckschuss-Pistole
Etwas mehr Klarheit herrschte über den Hergang der Ereignisse. Der Täter sei gegen 17.50 Uhr in die Trafik in der Vorgartenstraße gestürmt und habe aus seiner Jackentasche eine Waffe gezogen, die sich später als Schreckschusspistole entpuppte. Daraufhin griff der 63-Jährige zu seinem Smith & Wesson-Revolver des Kalibers .38 und gab einen Schuss ab.

Trafikant rief die Polizei
Der Täter lief daraufhin schwer verletzt aus der Trafik und rannte über die Straße, wo er auf der gegenüberliegenden Seite zusammenbrach und trotz Reanimierungsversuchen starb, wie aus den bisherigen Ermittlungen hervorgeht. Wie Hahslinger schilderte, sei der Trafikant dem Mann nicht nachgelaufen, sondern habe sofort per Handy die Polizei verständigt.

Der 63-Jährige ist laut Polizei langjähriger Waffenpassinhaber und hatte auch den Revolver schon seit längerem besessen. Vor zwei Jahren sei er bereits einmal überfallen worden, wobei er seine Waffe allerdings nicht benutzt habe.

Rumänischer Ausweis sorgt für Verwirrung
Unklarheit herrschte allerdings weiter über die Identität des toten Räubers. Er hatte ein rumänisches Dokument bei sich, dass ihn als 23-Jährigen Dorel M. auswies. Allerdings hatten die Kriminalisten ernste Zweifel, dass es sich bei dem viel älter wirkenden Mann wirklich um besagten M. handelt. Am Dienstag war zumindest geklärt, dass das Dokument keine Fälschung ist, ob es sich um den Ausweis des Räubers handelt, blieb aber weiter unklar. Die Wiener Polizei hat mittlerweile eine Identitätsprüfung in Rumänien veranlasst.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Fälle gegeben, wo sich Überfallene selbst mit Waffengewalt zur Wehr setzten, zum Teil auch mit tödlichen Folgen. Im Folgenden eine kurze Auswahl von Fällen der vergangenen Jahre:

20. Februar 2004
In der Hansalgasse in Wien-Landstraße versucht ein Unbekannter, eine Trafik zu überfallen. Er bedroht die Verkäuferin, die sich jedoch zu Boden fallen lässt. Zugleich zieht der im Hinterzimmer sitzende Ehemann seine Pistole und feuert zwei Schüsse ab. Ein Projektil wird gefunden, das zweite könnte den Räuber getroffen haben. Ob der Flüchtende verletzt wurde, bleibt unklar.

27. Juli 2004
Ein 64-jähriger Juwelier erschießt in der Nacht in seinem Geschäft in Wien-Meidling einen Einbrecher. Der Geschäftsmann muss die Nacht in einem Hinterzimmer verbringen, da er mit Einbrechern rechnet, die schon zuvor ein Scherengitter aufgezwängt haben. Als tatsächlich drei Männer eindringen und sich auch von Rufen nicht abschrecken lassen, schießt er und trifft einen der Eindringlinge in den Kopf.

30. Dezember 2008
Zwei bewaffnete Männer versuchen einen Juwelier in der Linzer Straße in Penzing zu überfallen. Nachdem sie sich Schmuckstücke zeigen haben lassen, zieht plötzlich einer eine Pistole und bedroht damit den Geschäftsinhaber. Dessen Ehefrau verfolgt das Treiben vom Hinterzimmer aus und tritt eine aufsehenerregende Gegenwehr an: Sie feuert dreimal mit der Waffe ihres Mannes und schlägt die Täter damit in die Flucht.

Lesen Sie weiter: So erlebten ÖSTERREICH-Reporter das Trafik-Drama:

Die Eilmeldung über den Agenturticker kam am Montag um 18.33 Uhr: "Trafikraub in Wien. Mutmaßlicher Täter angeschossen.“ Um 18.52 Uhr dann der nächste Knaller: "Raub in Wien-Leopoldstadt - Täter tödlich getroffen.“ Da ist das ÖSTERREICH-Reporterteam bereits vor Ort, beim Wachauer Hof in der Vorgartenstraße. Dutzende Schaulustige mit gezückten Handykameras stehen vor der Polizeiabsperrung, ein Gemurmel und Gezeter: "Schon gehört, der Herr Werner hat einen Räuber erschossen!“

Schuss durch den Terminal, Kugel trifft in die Brust
Denn: Kurz vor Ladenschluss, um 17.50 Uhr, stürmt ein Mann die Trafik von Werner B. (63). Der Täter droht mit seiner Pistole und fordert in akzentfreiem Deutsch Bargeld. Doch der Trafikant greift blitzartig nach seinem massiven 38-er Revolver, der hinter dem Lotto-Terminal liegt und drückt sofort ab.

"Das Projektil durchschlug den Monitor vom Lotto-Terminal und bohrte sich in die Brust des Räubers“, berichtet Polizeisprecher Roman Hahslinger noch am Tatort im Gespräch mit ÖSTERREICH - hinter ihm liegt auf der Vorgartenstraße bei eisiger Kälte die Leiche des Räubers. Denn der taumelte nach seinem misslungenen Überfall noch aus der Trafik, stolperte über die Straße und brach auf der gegenüberliegenden Seite zusammen. Blut quoll dem Mann aus dem Mund.

Schreckschusspistole
Der vorerst noch unbekannte Täter war dabei lediglich mit einer Attrappe "bewaffnet" gewesen. Demnach bedrohte der 40 bis 50 Jahre alte Täter den 63-jährigen Trafikanten offenbar mit einer Schreckschusspistole.

Polizei und Rettung wurden sofort alarmiert, die Vorgartenstraße im Bereich des Tatorts hermetisch abgeriegelt. Der Notarzt kämpfte noch um das Leben des Räubers. Doch der hatte keine Chance und erlag wenige Minuten später seiner Schussverletzung.

Großer Aufruhr, Leiche lag Stunden auf der Straße
Schaulustige gaffen aus den Fenstern, bei den Absperrungen drängen sich Neugierige. Kinder zücken Handykameras, sie werden von einer empörten Polizistin fortgeschickt.

Die Kriminalisten versuchen unterdessen, den Tathergang zu rekonstruieren. Mittlerweile liegt die Leiche seit einer Stunde bei minus 2 Grad auf der abgesperrten Straße. Spuren werden gesichert. Die Pistole des Räubers liegt eineinhalb Meter neben der Leiche. Eine Blutspur zieht sich von der Trafik bis auf die andere Straßenseite.

Das war nicht der erste Überfall auf diese Trafik
Werner B. ist nach wie vor in seiner Trafik. Der geschockte Mann wird von einem Amtsarzt psychologisch betreut. Für den Trafikanten war es nicht der erste Überfall, den er miterleben musste. Für seinen Revolver besitzt er einen Waffenschein.

Beim Räuber wird ein rumänischer Ausweis, lautend auf einen 23-Jährigen Dorel M., gefunden. "Wir glauben nicht, dass er ident mit dem Toten ist“, so Hahslinger. Der Täter sieht viel älter aus als 23. Um 20 Uhr kommt der Leichenwagen. Werner B. wird zur Einvernahme mitgenommen.


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