Schutzgeld-Mafia
Tschetschenen wollten Schutzgeld erpressen
Wohl zu viele Filme gesehen: Drei Tschetschenen wollten von einer Wiener Gastro-Familie Schutzgeld erpressen. Jetzt wurden sie verurteilt.
Offensichtlich sitzen auf der Anklagebank immer nur die kleinen Fische. Das musste auch Staatsanwalt Harald Bohé am Dienstag feststellen. „Wenn man den Akt liest, bekommt man einen Einblick, wie russische Banden in Wien ihr Unwesen treiben“, so Bohé. Die angeklagten Burschen aus Tschetschenien wollten es wie die Großen machen und mit Schutzgelderpressung ihre Kassa kräftig füllen.
Hintergrund
Die Vorgeschichte: Die Gebrüder J. betreiben in Wien
den gutgehenden Eissalon „Dai Fratelli“ und eine Pizzeria. Mysteriöse Typen
wollten die Brüder zum Verkauf der Lokale zwingen – die Männer willigten
nicht ein. Die Rechnung kassierte die Gastro-Familie prompt: Ein Bruder
wurde mit einem Baseballschläger attackiert. Auf den Eissalon wurde ein
Buttersäure-Attentat verübt.
Milchbuben
Davon bekamen auch Andarbek S. (25), Murat T. (19) und
Alihan A. (21) Wind. Die unbescholtenen Tschetschenen träumten von einem
gemeinsamen Internet-Café. Allerdings fehlte es am Kleingeld. Daher
beschloss das Milchbuben-Trio auf Mafia zu machen und gaben vor den Gebrüder
J. vor, den wahren Gaunern Paroli bieten zu können. Für ihre Dienste
verlangen die Burschen 30.000 Euro Schutzgeld. Bei der Geldübergabe klickten
aber die Handstellen. Die Attentäter auf die Gebrüder J. sind indes auf der
Flucht.
Urteil
„Es tut uns schrecklich leid“, jammern die Burschen nun
vor Gericht. Die Richterin zeigt Milde und verurteilt sie zu 12 bis achtzehn
Monaten teilbedingt. Mit diesem Urteil waren freilich auch die Verteidiger
Alexander Philipp und Roland Friis zufrieden.
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