27. Juli 2008 15:04
In der Montag-Ausgabe der Tageszeitung ÖSTERREICH meldet sich der als
Karadzic-Doppelgänger gehandelte Petar Glumac alias "Pera" zu
Wort. Der in Serbien praktizierende Naturheiler gibt an, der
Kriegsverbrecher Radovan Karadzic habe seine Identität kopiert. Wörtlich
sagt Glumac: "Mir ist nicht klar, warum Karadzic meine Identität
angenommen hat. Ich kenne ihn nicht, und ich will nicht als sein Komplize
gehandelt werden."
Nie mit Polizei in Kontakt
Glumac stellt klar, mehrmals in Wien
gewesen zu sein und dort Menschen medizinisch behandelt zu haben. "Ich
habe auch in der Märzstraße gewohnt", bestätigt Glumac, der
in Serbien auch als Medizinmann "Opa Pera" bekannt ist. Den
mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic will er nie persönlich
getroffen haben.
Entgegen anderslautenden Meldungen will Glumac auch "nie mit der
Polizei in Wien in Kontakt gekommen" sein. Der Heiler würde gerne nach
Österreich zurückkommen, allerdings: "Ich fürchte Racheakte,
weil man mich für einen Komplizen Karadzics halten könnte."
Nur der Zopf anders
Der einzige Unterschied zwischen ihm und "Dragan
Dabic", hinter dessen Namen sich der jahrelang gesuchte ehemalige
Präsident der bosnischen Serbenrepublik Radovan Karadzic versteckte, besteht
in dem Zopf, so Glumac. Dabic hat ihn hoch am Kopf aufgesteckt, Glumac trägt
ihn frei am Rücken. Abgesehen davon bestehe zwischen ihm und "Dabic"
aber eine "1.000-prozentige" Ähnlichkeit.
Im Vorjahr in Wien
Petar Glumac, der unter den Nachbarn als "Deda
Pera" (Opa Pera) bekannt ist, befasst sich nach eigenen Angaben seit 23
Jahren mit Heilpraktik. Er behauptet, im Vorjahr in Wien gewesen zu sein: "Ich
behandle alle Krankheiten, die Unfruchtbarkeit der Frauen ist mein Hauptfach."
Bisher will er über 800 Frauen behandelt haben, 90 Prozent von ihnen hätten
daraufhin ein Kind bekommen. Er halte sich häufig im Ausland, besonders in
Österreich und Italien auf.
Petar Glumac wurde im März 1930 im kroatischen Gospic geboren. Seit 1959
lebt er in einer Ortschaft unweit von Pancevo. Erst kürzlich sei er aus
Kroatien zurückgekehrt, sagt er, wo er in seinem Familienhaus zweieinhalb
Monate verbracht habe.
Hüne mit Humor
Der 1,95 Meter große Mann ist verheiratet
und Großvater von sieben Enkeln. Wegen der Verwechslung mit Karadzic hat er
bisher keine Schwierigkeiten gehabt. Der unerwartete Ruhm wird ihm aber
hoffentlich neue Patienten bringen, hofft er.
Stimme verriet Karadzic
Ein anonymer Anruf beim serbischen
Geheimdienst BIA soll den entscheidenden Hinweis zur Festnahme des als
Wunderheiler getarnten Radovan Karadzic geliefert haben. "Überprüfen
Sie ihn, weil mich seine Stimme sehr an jene von Karadzic erinnert",
sagte der Anrufer. So machte er den Geheimdienst auf den Alternativmediziner
mit weißem Rauschebart aufmerksam, der als "Doktor Dragan Dabic"
auf Vortragsreisen durch Serbien tourte, das Alter Ego von Karadzic.
Niemand bekommt Belohnung
Nach sechs Wochen Observierung von
Dabic stellte sich heraus, dass es sich bei ihm tatsächlich um Karadzic
handle. Der anonyme Anruf beantwortet auch die Frage, wer jene fünf
Millionen US-Dollar (3,18 Mio. Euro) Kopfgeld erhalten wird, die seit Jahren
auf den früheren bosnisch-serbischen Präsidenten ausgesetzt waren: Niemand.