Wende im Messerstecher-Prozess

Auftragsmord?

Wende im Messerstecher-Prozess

Eine Wende brachte die Einvernahme des Opfers, eines ebenfalls aus Rumänien stammenden 47-jährigen Mannes. Er zeigte sich nämlich überzeugt, dass es sich um einen versuchten Auftragsmord handelte. Schließlich sei er rund 15 Jahre registrierter Informant der heimischen Polizei gewesen und habe bei der Klärung einiger schwerwiegender Straftaten einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Streit eskalierte
Er sei zu vorgerückter Stunde in die Diskothek Anaconda gekommen, weil ihn ein Freund angerufen habe. Dort saß der Angeklagte in einer Gruppe von acht bis zehn Personen. "Einer von denen hat die Geldbörse meines Freundes genommen. Der hat ihn aber erwischt", schilderte er das Geschehen. "Die Geschichte mit der Brieftasche war nur Inszenierung", zeigte er sich überzeugt. Es kam zu einem Streit, der zwar zunächst geschlichtet, nach einer halben Stunde aber von neuem begann und in dessen Zuge schließlich die ganze Gruppe des Angeklagten auf ihn und seine Freunde losgegangen sei.

Er sei niedergeschlagen und getreten worden, er habe heute noch Kopfschmerzen. Der Angeklagte habe ihm dann von hinten seitlich ein Messer in den Rumpf gerammt und die Niere nur um wenig verfehlt. Er und seine Freunde seien aus dem Lokal geflüchtet. Dabei wurden sie von ihren Widersachern verfolgt. Dass er stark blutete, habe er erst in der Wohnung seines Freundes gemerkt. Er sei mit diesem in sein Auto gesprungen, während tschetschenische Bekannte die Aggressoren zurückgehalten hätten, und trotz der Kopfschmerzen, des Stiches und einer ausgekegelten Schulter weggefahren.

Im AKH traf er schlussendlich im Schockraum seinen Widersacher wieder. "Diesmal hast du noch Glück gehabt", soll der Angeklagte gedroht haben. "Dreimal hat er das geäußert", sagte das Opfer.

Vieles noch unklar
An dieser Darstellung war dem Senat doch einiges unklar. Wer dem Angeklagten die Messerstiche verpasst hatte, wollte der 47-Jährige nicht mehr wissen: "Keine Ahnung. Vielleicht sind sie von mir gekommen, vielleicht von anderen", meinte das Opfer. Der Beschuldigte sei jedenfalls der Freund des vor vier Jahren verurteilten "Cretu", der 20 Jahre bekommen hatte, weil er eine Prostituierte angezündet hatte. Es sei in rumänischen Kreisen auf ihn ein Kopfgeld in der Höhe von 5.000 Euro ausgesetzt worden, das nach dem Vorfall in der Diskothek Anaconda auf 10.000 Euro erhöht wurde. Außerdem habe er schon 2008 in einem anderen Lokal Messerstiche abbekommen. Diesen Vorfall führte er ebenso auf seine Tätigkeit als Informant zurück.

Senat im Zweifel
Zweifel blieben dem Senat am Auftragsmord. Warum der angebliche Auftragskiller einen Streit in einer Disco anzettle, anstatt vor dem Lokal auf das Opfer zu warten, konnte der 47-Jährige auch nicht erläutern. Seine Aussage gewann allerdings durch die Bestätigung seines Polizeibetreuers an Gewicht. Dieser sagte, der 47-Jährige habe tatsächlich 15 Jahre als Polizeiinformant gearbeitet, sei aber jetzt "verbrannt", weil seine Landsleute mittlerweile genau über seine Tätigkeit Bescheid wüssten.

Auch die Meldungen über das Kopfgeld auf das Opfer bestätigte er. Dem Bundeskriminalamt seien diesbezüglich Hinweise aus rumänischen Kreisen eingegangen

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