02. Mai 2008 13:54
Die Staatsanwaltschaft Wien hat gegen den Holocaust-Leugner Gerd Honsik
Anklage wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung nach § 3 g
Verbotsgesetz (VG) erhoben. Staatsanwalt Michael Klackl wirft dem
67-Jährigen auf 90 Seiten vor, in seinen Schriften und im Internet
regelmäßig nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet zu haben. Der
Tatzeitraum erstreckt sich von 1987 bis 2007 und umfasst damit fast 21 Jahre.
20 Jahre Haft möglich
Die Anklage ist noch nicht
rechtskräftig, Verteidiger Herbert Schaller kann diese noch beeinspruchen.
Der Akt - Geschäftszahl 412 HV 2/08b - liegt allerdings schon am
Schreibtisch von Richter Andreas Böhm, der im Wiener Straflandesgericht das
Geschworenenverfahren leiten wird. Im Fall eines Schuldspruchs im Sinn der
Anklage drohen Honsik bis zu 20 Jahre Haft, da der Staatsanwalt von einer
"besonderen Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung" ausgeht.
Honsik ist in Wien bereits im Jahr 1992 auf Basis seines Buchs "Freispruch
für Hitler?" wegen Wiederbetätigung zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt
worden. Statt die Strafe anzutreten, setzte er sich während des
Rechtsmittelverfahrens nach Spanien ab, wo er 15 Jahre unbehelligt blieb und
- so jedenfalls die Anklagebehörde - weiter seinen Ruf als erstrangiger
Publizist der rechtsextremen Szene festigte.
Aus Spanien ausgeliefert
Auf Basis eines Europäischen Haftbefehls
wurde der 67-Jährige im vergangenen August bei Malaga festgenommen und
ausgeliefert. Das Wiener Oberlandesgericht bestätigte im Dezember die 1992
verhängte Strafe, die der gesundheitlich angeblich angeschlagene Honsik
derzeit verbüßt.
Die Staatsanwaltschaft hat nur die schwerwiegendsten Passagen mit dem
höchsten Unrechtsgehalt zur Anklage gebracht, hieß es seitens der Behörde.
Wären sämtliche tatbestandsmäßigen Zitate in die Anklageschrift
eingeflossen, "hätte dies den Rahmen der Hauptverhandlung gesprengt", sagte
Gerhard Jarosch, der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Man habe den
Geschworenen "eine unnötige Überfrachtung des Verfahrens" ersparen wollen.
Offiziellen Prozesstermin gibt es noch keinen. Sollte Honsiks Rechtsbeistand
auf ein Rechtsmittel gegen die Anklage verzichten, könnte möglicherweise
schon im Juli verhandelt werden.