02. November 2007 13:18
Düstere Zeiten in der Gesundheitspolitik. Der neue Rechnungshofbericht
bescheinigt der Wiener Gebietskrankenkasse Schulden in der Höhe von 563
Millionen Euro für das Jahr 2007. Laut internen Berechnungen der Kasse ist
die Situation noch schlimmer als angenommen.
Weitere 63 Millionen fehlen
Immerhin kommen zu den 107 Millionen
Euro Kassendefizit durch Bundesgesetze, die der Rechnungshof attestierte,
weitere 63 Millionen an fehlenden Einnahmen. Der Grund: Die Wiener Kasse
wird bei Beiträgen der Pensionisten deutlich schlechter gestellt als die
Kassen der Bauern und Gewerbetreibenden. „Die gesetzlichen Maßnahmen seit
2000 haben uns immer mehr in die Misere hineingeritten“, erklärt
WGKK-Direktor Jan Pazourek.
Da sind die am Mittwoch im Ministerrat beschlossenen Beitragserhöhungen um
0,15 Prozent nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Diese 150 Millionen Euro
werden nämlich auf alle neun Kassen aufgeteilt.
Ärzte abbauen
Laut Rechnungshof sind die größten Probleme
der Krankenkasse die Ausgaben für Ärzte, Medikamente sowie die
unterschiedlichen Tarife in den Bundesländern. Eine Mammographie kostet in
Wien 76 Euro, in Oberösterreich hingegen nur 54 Euro. In Wien wird für einen
Versicherten also durchschnittlich mehr Geld ausgegeben als in
Restösterreich.
Für die Ärztekammer ist das logisch: Wien hat das bessere Angebot. Die
Menschen gehen öfter zum Facharzt, mehr Untersuchungen werden aufgrund der
besseren Verfügbarkeit durchgeführt. Genau das kritisiert der Rechnungshof.
Seine Vorschläge: Weniger Ärzte für Wien, befristete Verträge und die
Ärzte-Honorare limitieren. „Kommt nicht in Frage“, konterte
Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart.
Verhärtete Fronten
„Wir haben in der letzten
Verhandlungsrunde keinen Konsens zu diesen Punkten erreicht“, bestätigt auch
Pazourek von der WGKK. Steinhart drückt es noch drastischer aus: „Wir haben
das beste Gesundheitssystem der Welt. Und zwar genau deshalb, weil Wien eine
viel bessere Versorgung anbietet. Restösterreich sollte sich daran
orientieren.“
Treffen mit Kanzler
Doch wie sollen diese Leistungen in Zukunft
finanziert werden? Zu Wochenbeginn traf WGKK-Obmann Bittner mit
Bundeskanzler Gusenbauer, Vizekanzler Molterer und Gesundheitsministerin
Kdolsky zusammen. Er übergab sein Maßnahmenpaket, um die kranke Kasse wieder
auf gesunde Beine zu stellen. Pazourek: „Wir haben die Politik neuerlich
aufgefordert, der Kasse das Krankengeld für Arbeitslose zu ersetzen, und den
Aufwand für das Wochengeld vollständig abzugelten .“ Diese kurzfristigen
Maßnahmen könnten der WGKK vorerst helfen.
Hanusch abtreten
Der Vorschlag, das von der Krankenkasse
geführte Hanusch-Spital an die Stadt Wien abzugeben, stößt auf taube Ohren:
„Das Hanusch ist nicht die Ursache für unsere finanziellen Probleme“, so
Pazourek. Jetzt hoffen Ärzte und Krankenkasse auf ein Zeichen von der
Regierungsspitze.