03. September 2009 16:46

"Freiwilliger Akt" 

Wiener Verfassungsschutz-Chef geht

Autericky geht aus freien Stücken, mit dem ermordeten tschetschenischen Flüchtling Umar Israilov habe das nichts zu tun, so der LVT-Chef.

Wiener Verfassungsschutz-Chef geht
© APA

Der oberste Wiener Verfassungsschützer hat seinen Hut genommen: Der Chef des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, Werner Autericky, nennt seinen Rücktritt einen "freiwilligen Akt".

Fünf Jahre Staatsschutz seien genug, so Autericky, der sich derzeit auf Urlaub befindet. Er habe jetzt Gelegenheit, sich neue Ziele zu stecken. Dass sein Abgang etwas mit dem Fall des getöteten tschetschenischen Flüchtlings Umar Israilov zu tun haben könnte, stellt er in Abrede. Auch der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl wies solche Spekulationen zurück: "Doktor Werner Autericky hat eine blütenreine Personalakt."

Neue Herausforderungen
Vielmehr hätten sich neue Optionen bei der Polizei sowie in der Privatwirtschaft aufgetan. "Ich bin auch in einem Alter, wo ich mir das zutrauen darf."

Zwettler interimistischer Leiter
Als interimistischer Leiter des LVT fungiert seit Dienstag Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt, der sich für den Job auch bewerben will. Sollte Zwettler die Leitungsfunktion übernehmen, dürfte die nächste Jobrochade zwischen Bundespolizeidirektion Wien und BK anstehen: Der rehabilitierte frühere Chef der Kriminaldirektion 1, Ernst Geiger, kommt für die Zwettler-Nachfolge infrage. Geiger wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Für Wirbel im LVT hatte der Fall Umar Israilov gesorgt: Der 27-jährige Tschetschene war am 13. Jänner 2009 auf offener Straße in Wien-Floridsdorf erschossen worden. Hintergrund der Tat soll laut der Familie des Opfers eine Anzeige bei der russischen Staatsanwaltschaft sowie eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gegen Russland wegen Folterungen und Verbrechen unter dem Kommando des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow sein. Der in Wien lebende Israilov habe früher für Kadyrow gearbeitet und sei bei diesem in Ungnade gefallen, hieß es. Für Kritik am LVT hatte gesorgt, dass auf die Bedrohung des Flüchtlings bekannt war, ein Schutz für ihn aber ausblieb.

Der scheidende LVT-Chef Werner Autericky ist für kommenden Montag als Auskunftsperson im Spionage-Untersuchungsausschuss geladen. Thema der ersten Befragungen ist die Erfassung von Handyrufdaten des BZÖ-Abgeordneten Peter Westenthaler.


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