24. Oktober 2008 21:34

Leiser Tod 

Zilk wurde Infektion zum Verhängnis

Wiens beliebter Altbürgermeister Helmut Zilk ist tot: Freitagfrüh hat sein tapferes Herz zu schlagen aufgehört.

Zilk wurde Infektion zum Verhängnis
© APA
Zilk wurde Infektion zum Verhängnis
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Am Freitag um 7.15 Uhr früh wartete Chirurg Michael Zimpfer im Operationssaal auf Helmut Zilk (81) – für einen kleinen chirurgischen Eingriff. Doch der prominente Patient im Wiener Wilhelminenspital konnte nicht mehr in den OP gebracht werden. Er war bereits entschlafen.

Um 6.40 war der frühere Wiener Bürgermeister vom Pflegepersonal noch auf die Operation vorbereitet worden. „Ich möchte noch ein bisserl schlafen“, hatte er gesagt. Als man ihn um 7 Uhr abholen wollte, konnte er nicht mehr geweckt werden. Helmut Zilk war friedlich im Schlaf gestorben.

Herzversagen
Auf den Impuls des Schrittmachers hat das Herz nicht mehr reagiert. „Da ist man dann auch als Arzt hilflos“, sagte sein behandelnder Arzt Kurt Huber bei der eilig einberufenen Pressekonferenz im Spital.

Die sofortigen Reanimationsmaßnahmen haben nicht mehr geholfen und mussten nach 20 Minuten abgebrochen werden. Die Ärzte verständigten einen guten Freund von Zilk, der seine Ehefrau Dagmar Koller in ihrer Wohnung im ersten Bezirk aufsuchte und ihr die Todesnachricht so schonend wie möglich mitteilte. „Es ist so schrecklich, so furchtbar. Wir alle dachten, er sei auf dem Weg der Besserung. Ich bin so traurig“, so Koller gestern Vormittag mit tränenerstickter Stimme am Telefon gegenüber ÖSTERREICH.

„Noch so optimistisch“
Donnerstag Nachmittag hatte sie ihr Mann sogar vom Krankenbett weggeschickt, weil es ihm schon viel besser ginge. Dagmar Koller: „Wir waren noch so optimistisch und ich war so froh, dass ich endlich wieder arbeiten konnte.“ Sie war ins ORF-Zentrrum auf den Küniglberg gefahren, wo sie beim Endschnitt ihrer für Sonntag geplanten TV-Sendung „Hallo, wie geht's“ dabei sein wollte.

Infektion in Portugal
„Die vergangenen drei Wochen bin ich jeden Tag an seinem Krankenbett gesessen, weil es ihm so schlecht ging.“ Denn Zilk war zuletzt nicht nur wegen seines allgemeinschlechten Gesundheitszustandes als Dialyse­patient im Spital. Eine erst unterschätzte Komplikation hatte den Aufenthalt nötig gemacht. Vor drei ­Wochen musste er aus seiner zweiten Heimat Portugal rasch nach Österreich und sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Der Grund: eine unangenehme Infektion. Zilk hatte sich im Garten an einem Kaktus am Unterschenkel verletzt – die Wunde hatte sich entzündet. Die Infektion betraf schließlich auch die Lymphknoten in der Leistengegend. Die Behandlung mit Antibiotika genügte nicht – eine Operation wurde nötig.

Drei Wochen Kampf
Drei Wochen lang war Zilk im Wiener Wilhelminenspital gelegen. Sein behandelnder Arzt Kurt Huber schließt zwar einen direkten Zusammenhang zwischen der Infektion und dem tödlichen Herzversagen, der mit ihm befreundete Michael Zimpfer hatte jedoch schon länger „ein ungutes Gefühl“. Zimpfer: „Ich habe das auch Helmut Zilks Sohn mitgeteilt.“ Zwar seien bei den nötigen Nierenwäschen keine Kreislaufschwächen aufgetreten, aber sei doch auffällig geschwächt und müde gewesen. In seinen letzten Tagen habe er sehr viel geschlafen.

Fünf Wochen Koma
Zimpfer war Zilk seit dem furchtbaren Briefbomben-Anschlag von Franz Fuchs immer wieder zur Seite gestanden. Zilk war – das ist unbestritten – seit Jahren schwer krank. Das Attentat hatte ihn nicht nur zwei Finger gekostet, sondern auch dramatische Herzrhythmusstörungen zur Folge. Vor zwei Jahren überlebte Zilk dann eine dramatische Herzoperation und lag fünf Wochen im Koma. Seither musste er immer wieder im Wilhelminenspital behandelt werden und war von da an Dialysepatient. Dreimal in der Woche musste er sich der Blutwäsche unterziehen – quälend. Vier bis fünf Stunden musste er da an die Maschine angeschlossen werden. „Die Dialysepflicht hat ihn sehr gemartert“, weiß Zimpfer. Zudem litt Zilk an Vorhofflimmern, musste Blutgerinnungsmittel nehmen, um Thrombosen vorzubeugen.

Vorbote des Todes
Doch Zilk gab nicht auf, kämpfte bis zuletzt um seine Gesundheit. „Ich bin das Stehaufmännchen und habe vor, es noch länger zu bleiben“, sagte er. Im Juli dann der Schock: Lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen und Stillstand in seinem Ferienhaus in Portugal. Schon damals musste er zwei Wochen ins Krankenhaus. Freitag Morgen nahm Dagmar Koller von ihrem Mann Abschied. Ihr Helmut hätte zuletzt keine Todesahnung gehabt. Nur sie selbst hätte schlecht geschlafen und so etwas wie Vorahnungen gehabt, es könnte etwas schief gehen. Dem Pflegepersonal war Zilk während seiner Spitalsaufenthalte ans Herz gewachsen. Stationsschwester Michaela Schnaufert, die ihn zuletzt behandelte: „Helmut Zilk hat mit seiner charismatischen Art ganz einfach den Raum erfüllt. Wir werden ihn sehr vermissen.“

Chirurg Michael Zimpfer wollte Zilk noch operieren. Zilks Schwäche habe ihm Kopfzerbrechen gemacht.

ÖSTERREICH: Wie war Ihr Eindruck vom Gesundheitszustand von Helmut Zilk?

Michael Zimpfer: Mir war nun klar, und das habe ich auch seinem Sohn gesagt, dass er jetzt viel weniger Reserven hatte als sonst. Durch die chronischen Erkrankungen der Nieren und des Herzens hatte er weniger Möglichkeiten mit Störungen wie dieser Infektion fertig zu werden. Ich war nun immer in größter Sorge. Ich habe gehofft, dass er Weihnachten noch zuhause erlebt, aber seine Schwäche hat mir großes Kopfzerbrechen bereitet. Ich hatte ein ungutes Gefühl.

ÖSTERREICH: Wann haben Sie ihn zum letzten Mal gesehen?

Zimpfer: Ich habe ihn fortlaufend mitbetreut. Es mussten immer wieder kleinere Operationen gemacht werden, um die Infektion in der Leiste zu kontrollieren. Ich war das letzte Mal am Dienstag bei ihm. Gestern früh ab 7.15 Uhr habe ich im OP-Saal auf ihn gewartet. Es wäre eine abschließende Operation vorgesehen gewesen.

ÖSTERREICH: Was bedeutet sein Tod für Sie?

Zimpfer: Ich bin sehr betroffen. Wir haben uns im Spital oft über alles Mögliche unterhalten. Seine Persönlichkeit war geprägt von Menschlichkeit, Durchsetzungsvermögen, Lebenserfahrung und von einer großen Güte. Mir geht es unter die Haut, wenn so jemand wie er nicht mehr da ist.

Foto: (c) APA


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