06. April 2010 21:05
Sehr skurril: Da kämpft das Gesundheitsministerium für den Schutz
der Nichtraucher, für frische Luft im öffentlichen Raum – und doch:
Selbst im Gebäude des Gesundheitsministeriums werden täglich Tausende
Zigaretten geraucht!
Tatort der Tschick-Sünder: Das verrauchte Gasthaus Arkade im Erdgeschoss des
Ministeriums, quasi die Kantine des Amtshauses. Gesundheitsminister Alois
Stöger (SPÖ) ging bisher einige Hunderte Male vorbei. Was er bis vor Kurzem
täglich zu sehen bekam: Sogar im „Gastgarten“ des Lokals wurde heftig
gequalmt.
>>Lesen
Sie hier die Debatte zum Nichtraucher-Schutz!<<
Sogar Ministeriumsbeamte haben Anzeige erstattet
Der „Gastgarten“
befindet sich in der Aula des Ministeriums – also nicht im Freien. Absolut
verboten, denn im Gesetz steht: In öffentlichen Gebäuden – und das ist das
Ministerium – darf auf keinen Fall gepofelt werden.
Rund 15 Anzeigen wurden insgesamt bisher gegen den Wirt erstattet. Nicht nur
selbst ernannte Rauch-Sheriffs haben den Gesetzesbruch in der obersten
Gesundheitsbehörde bemerkt und gemeldet. Sogar Beamte des Ministeriums haben
die eigene Kantine angezeigt.
Folge: Rauchverbot in der Ministeriumsaula
Lokalaugenschein
gestern Mittag: Die Posse geht weiter. In der Aula sieht man keine Sünder
mehr, aber drinnen herrscht dicke Luft. An fast allen Tischen wird geraucht.
Gleich beim Eingang sitzt Hannes Beran, Chef der Arkade: „Das Lokal gehört
mir, da kann sicher kein Außenstehender entscheiden, was ich mache.“
Beran wurde nach den Anzeigen vom Magistrat geprüft – und für okay befunden.
Die Nichtraucher wurden jetzt in die karge Aula verbannt, im Lokal selbst –
neben der Bar und der Küche – wird weiter gepofelt. „Wenn einer den Rauch
nicht mag, dann soll er zu Hause bleiben“, sagt Lokalbesitzer Beran.
Dem Rauch-Sheriff Dietmar Erlacher reicht das lange nicht. Er findet eine
erneute Gesetzesübertretung: Die Tür zwischen Raucher- und
Nichtraucherbereich darf laut Verfassungsgerichtshof nicht ständig geöffnet
bleiben. Genau das ist sie aber gestern Mittag gewesen – sie war sogar
fixiert.
Rauch-Jäger Erlacher fordert Minister Stöger jetzt zum Rücktritt auf: „Denn
er wünscht persönlich als Minister keine Umsetzung des Tabakgesetzes."