AMS-Skandal wird zum globalen Betrugsfall

Buchhaltungsskandal

AMS-Skandal wird zum globalen Betrugsfall

Der Skandal um illegal verschobene AMS-Millionen nimmt immer größere Dimensionen an. Glaubte man bisher an einen Schaden von 16,5 Millionen Euro, verursacht durch die Bundesbuchhaltungsagentur (BHAG), ergeben Recherchen nun: Der Chef des Instituts Venetia, Kurt D., und der BHAG-Topbeamte Wolfgang W. sind wahrscheinlich Drahtzieher eines internationalen Betrugsfalls.

Keilen
Für beide gilt die Unschuldsvermutung. Doch ÖSTERREICH vorliegende Dokumente belegen: Kurt D. ging in Österreich, der Schweiz und Deutschland mit Schuldscheinen hausieren, die Wolfgang W. im Namen der Republik ausgestellt hatte, und für die der Bund nun haften muss.

Gewinn
Und es floss Geld. „Ein Wiener Anwalt hat uns im Sommer 2008 für Herrn D. Schuldscheine über sechs Millionen Euro angeboten, wir sind in das Geschäft eingestiegen“, sagt der Besitzer einer Schweizer Finanzholding (er will anonym bleiben). Hintergrund: Firmen kaufen solche Schuldscheine, weil sie nach deren Einlösung beim Schuldner (also dem Bund) fette, garantierte Zinsen bekommen.

Die Eidgenossen zahlten. Aber erst nach einer Prüfung vor Ort, beim künftigen Schuldner: der BHAG. Der Eigentümer kam persönlich nach Wien – wo D.s Komplize Wolfgang W. die Richtigkeit bestätigte. „Wer ein Amtsgebäude betritt, auf dem der Bundesadler prangt, muss doch glauben, dass da keine krummen Dinge laufen“, erklärt der Schweizer, warum er das Geld nach dem Besuch im September an ­Venetia-Chef D. auszahlte. Und nie wieder sah.

Geplatzt
Dasselbe Spiel versuchte Kurt D. auch mehrmals in Deutschland (siehe Faksimile). Ob auch in diesen Fällen Geld floss, wird geprüft. AMS und Wirtschaftsministerium wurden bereits im November 2008 darüber informiert – dennoch wurde einem prominenten Salzburger Anwalt noch am 22. Dezember ein Schuldschein über 16 Millionen angeboten. Der Jurist: „Zum Glück hat die Bank den Schwindel durchschaut.“ Der Deal platzte.

Goldmine
Nun ermittelt die Korruptions-Staatsanwaltschaft, die ihre Ermittlungen inzwischen auf zwei weitere Verdächtige ausdehnte. ÖSTERREICH-Informationen, wonach auch ein Anwalt verhaftet wurde, werden von Sprecher Friedrich König nicht dementiert: „Dazu kann ich nichts sagen.“

Untersucht wird indes, warum der Beamte Wolfgang W. überhaupt beim Betrug mitmachte. Offenbar stellte sein Freund Kurt D. Goldminen-Gewinne in Aussicht. Auch sein Anwalt behauptete zuletzt, dass der Millionenschaden durch die Mine gedeckt sei. Die nächste Seifenblase? Denn Recherchen ergeben, dass der Eigentümer der Mine vermutlich ein Betrüger aus Texas (USA) ist, der auf internationalen Handels-Sperrlisten steht. Er besitzt mehrere Minen in Südamerika. Eine Bankprüfung einer Mine ergab: Es handelte sich um eine „tote“ Mine, von Gold war keine Spur mehr zu finden. D.s Anwalt war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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