25. Juni 2009 13:44
Die Ärztekammer sieht die medizinische Versorgung der Landbevölkerung "in
entlegenen Regionen" in Gefahr. "Wir sehen den Trend, dass landärztliche
Praxen nach der Pensionierung des Inhabers immer seltener nachbesetzt werden
können", sagt ÖÄK-Präsident Walter Dorner. Hauptgrund ist, dass immer mehr
Ärzte auf dem Land ihre Berechtigung zur direkten Abgabe von Medikamenten an
die Patienten verlieren, wenn in der Nähe eine öffentliche Apotheke
aufsperrt.
Ohne Hausapotheke sinnlos
Denn die gesetzliche Regelung sieht
laut Ärztekammer vor, dass ein Arzt seine Hausapotheke aufgeben muss, sofern
sich im Umkreis von sechs Kilometern seiner Praxis eine Apotheke
niederlässt. Von der Politik fordert die Kammer nun, diese erst wenige Jahre
alte Bestimmung wieder rückgängig zu machen.
"Äußerst schwierige Bedingungen"
Denn gerade
diese "ärztlichen Hausapotheken" seien notwendig, um die Existenz der
Landärzte unter den "außergewöhnlich schwierigen Bedingungen" in entlegenen
Gebieten zu sichern, meint der Allgemeinmediziner Jörg Pruckner. Gefordert
wird daher ein "gezieltes Förderprogramm für die Landmedizin". "Ein
wesentlicher Punkt ist dabei der Weiterbestand der Berechtigung zur Führung
einer ärztlichen Hausapotheke, wenn sich im Umfeld eine öffentliche Apotheke
niederlässt", so Pruckner.
Dorner und Pruckner verwiesen auf eine "offensive Niederlassungsstrategie
der öffentlichen Apotheken auch in kleinen Orten", die zu einer
"schleichenden Vernichtung der ärztlichen Infrastruktur" führe. Die ÖÄK
fordert die Politik zu "geeigneten Schritten" auf, um die ärztliche
Versorgung auf dem Land sicherzustellen: "Die Politik hat die Wahl, ob sie
die Landmedizin vor Ort haben möchte oder eine Apotheke ohne Landarzt im
Ort", so die beiden Standesvertreter.