Altbürgermeisterin Hilde Zach ist tot

Innsbruck

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Altbürgermeisterin Hilde Zach ist tot

Als erste Frau eroberte sie 2002 den Chefsessel einer Landeshauptstadt, den sie bis 2010 inne hatte. Zach war bereits am 8. März des vergangenen Jahres aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten.

Eigenes Profil
Zachs politische Arbeit hat die Landeshauptstadt nachhaltig geprägt. Am Anfang ihrer politischen Karriere stand sie zwar noch im Schatten ihres Amtsvorgängers, dem späteren Landeshauptmann Herwig van Staa (V). Zusehends entwickelte sie aber ihr eigenes Profil und scheute auch nicht davor zurück, zum Teil unpopuläre Projekte durchzusetzen. Dazu zählten etwa die Realisierung einer neuen Hungerburgbahn und der Bau der Autobahnabfahrt Mitte, die den Südring insbesondere bei den Stadteinfahrten entlasten sollte. Auch der Neubau des Kaufhauses Tyrol in der Innsbrucker Innenstadt fiel in ihre Amtszeit.

Als der VP-Parteirebell Herwig Van Staa mit seiner Liste "Für Innsbruck" 1994 Bürgermeister wurde, stieg Zach zur amtsführende Stadträtin auf. Seit der Gemeinderatswahl 2000 war sie 1. Bürgermeister-Stellvertreterin mit den Ressorts Kultur, Erziehung, Bildung und Gesellschaft, Frauen, Familien und Senioren, Kinder- und Jugendförderung. Als Van Staa 2002 in den Landtag wechselte wurde Zach in einer Sondergemeinderatssitzung zur neuen Bürgermeisterin gewählt. 2006 wurde sie für weitere sechs Jahre in ihrem Amt bestätigt.

Die für ihre Energiegeladenheit und ihr Temperament bekannte Politikerin wurde am 25. August 1942 in Hall bei Innsbruck geboren. Ihre Mutter stammte aus einer mit 16 Kindern gesegneten Haller Salinenarbeiterfamilie. Die Eltern Josef Zach (er kam mit 13 Jahren als Lehrbub von Bayern nach Hall) und Mathilde Ebenbichler lernten einander als Lehrbub und Lehrmädchen kennen und hatten später als Eheleute die Möglichkeit, einen Betrieb in Hall von ihrem Lehrherrn zu übernehmen. Sie selbst ist das mittlere von drei Kindern. Die Schwester ist heute Wirtin im Leipziger Hof in Innsbruck, der Bruder erbte den elterlichen Metzgereibetrieb in der Innenstadt. Die Liebe zur Musik und zum Theater stammen vermutlich von ihrer Mutter.

Matura im Abendstudium
Nach dem Besuch der Volks-, Haupt- und Handelsschule (im Internat in Feldkirch) holte Hilde Zach später neben der Berufstätigkeit die Matura im Abendstudium nach. In der Handelsschule war sie immer Vorzugsschülerin. Ihren Wunsch, auf eine höhere Schule zu gehen und Lehrerin zu werden, goutierte der Vater allerdings nicht, weil er der Meinung war, "dass sich das nicht auszahlt, weil die Madeln eh wegheiraten. Alle mussten wir die Metzgerlehre machen und im Geschäft mitarbeiten, mein Bruder hatte das männliche Privileg, die Handelsakademie besuchen zu dürfen."

Mit 18 Jahren kam Zach nach Innsbruck. Ihre Eltern hatten 1956 die Bombenruine "Weiß", das Eckhaus am Bozner Platz/Wilhelm-Greil-Straße erworben. 1990 wurde sie Wirtschaftsbundobfrau in Innsbruck. Die kaufmännische Ausbildung bekam sie im elterlichen Betrieb, dort hatte sie 20 Jahre eine Führungsposition inne. Zach ist Inhaberin einer gastronomischen Vollkonzession und führte den Betrieb "Zach am Markt".

Schicksalsschläge
Zwei schwere Schicksalsschläge kennzeichneten ihr bisheriges Leben: Mit 30 Jahren, kurz vor der Heirat, der tödliche Unfall ihres Verlobten, Josef Norz - und vor mehreren Jahren eine Krebserkrankung, die sie zwischenzeitlich überwunden hatte. Der Widerausbruch der Krankheit hatte Zach veranlasst noch vor dem Ende ihrer Amtszeit aus der Politik auszuscheiden. Am Samstag verlor sie den Kampf gegen den Krebs.
 

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