14. März 2010 22:02
ÖSTERREICH: Was sagen Sie, dass die Regierung schon jetzt
Steuererhöhungen plant, bevor über Einsparungen geredet wird?
JOSEF MOSER: Entscheidend ist, dass man zuerst ausgabenseitig ein
Potenzial freibekommt. Man sollte verhindern, dass durch das Drehen der
Einnahmenschraube auf der Ausgabenseite das Notwendige nicht getan wird.
ÖSTERREICH: Was sind für Sie die größten Brocken, wo man beim Sparen
ansetzten muss?
MOSER: Wir sind überall gefordert – wobei die Kernbereiche
Gesundheit, Pensionen, der Nahverkehr und der Sozialbereich sind.
ÖSTERREICH: Wo würden Sie beim Sparen zuerst ansetzten?
MOSER: Unsere Vorschläge zur Bildungsreform liegen auf dem Tisch,
jetzt braucht es nur noch eine politische Entscheidung: Wir schlagen eine
Zentralebene vor, bei der das Budget festgelegt wird, gleichzeitig auch die
Gesetzgebung angesiedelt ist. Die Qualitätssicherung gehört auf die
Regionalebene – auf einer Lokalebene soll die Autonomie der Schule gestärkt
werden. Je früher wir das machen, desto schneller kann ein nicht mehr
zeitgemäßes Bildungssystem in ein zukunftsträchtiges, modernes übergeführt
werden.
ÖSTERREICH: Ärgerlich und teuer sind ja auch die verschiedenen
Sonderpensionsrechte der Länder und im staatsnahen Bereich. Der Rechnungshof
sieht da ja bis zu 700 Millionen Sparpotenzial.
MOSER: Ja, das sind Pensionen der Landesbeamten beziehungsweise
Sonderpensionsrechte bei ÖBB, Nationalbank, ORF und Sozialversicherungen.
Hier haben wir aufgezeigt, wo es gravierende Unterschiede gibt. Jetzt hat
die Politik dafür Sorge zu tragen, dass die Harmonisierung tatsächlich
umgesetzt wird.
ÖSTERREICH: Wie sehr ist die Regierung da unter Druck? Haben wir noch
ewig Zeit?
MOSER: Nein. Es ist sehr dringend, in Anbetracht dessen, dass die
staatliche Gesamtverschuldung im Jahr 2009 auf 189,3 Milliarden bzw. 68,2%
des BIP angewachsen ist und damit deutlich über der Maastricht-relevanten
Grenze (60% des BIP, Anm.) lag. Und wenn man sich ansieht, wie lange es
gedauert hat, um das Defizit tatsächlich unter diese Marke zu drücken, da
kann man sich vorstellen, welche Anstrengung jetzt nötig ist. Deshalb ist
möglichst rasch mit der Verwaltungsreform Blickrichtung „effizientere
Verwaltungsführung“ zu beginnen.