Angeblich neue Beweise gegen Zilk

Spionageverdacht

Angeblich neue Beweise gegen Zilk

Vaclav Havel, ehemaliger Präsident Tschechiens, hatte sich am offenen Grab für die Schmach gegenüber seinem Freund Helmut Zilk noch entschuldigt. Doch am Samstag wurden neue Dokumente veröffentlicht, die das Unglaubliche beweisen sollen: Helmut Zilk ein Spion. Brisante Dokumente über einen Toten – und der kann sich nicht mehr wehren.

Die Vorwürfe sind nicht neu, die im profil veröffentlichten Dokumente sind es schon: Demnach soll Zilk, zwischen Dezember 1965 und Juni 1968 unter dem Decknamen „Holec“ für den Geheimdienst der CSSR Spitzeldienste geleistet haben. Und: Zilk soll für seine Tätigkeit bezahlt worden sein. Reich kann er damit allerdings nicht geworden sein: Nach heutiger Kaufkraft seien rund 30.000 Euro – damals 70.000 Schilling – geflossen. Zusätzlich soll Zilk auch Geschenke erhalten haben, wie etwa einen Luster aus Bleikristall.

Mehrfach finden sich im Akt Hinweise eines Mittelsmanns auf angebliche Geldnöte Zilks, der auf großen Fuß gelebt haben soll. Zitat: „Er führt ein aufwendiges Leben ... Wünscht sich Sozialismus, obwohl er sehr eigenständige Vorstellung davon hat.“

Motiv bleibt rätselhaft
Über das Motiv Zilks herrscht Rätselraten. Was für Zilk ins Treffen zu führen ist: Seine Kontakte zum tschechischen Geheimdienst fallen in die liberalste Zeit des kommunistischen Regimes, eine Zeit, wie es der tschechische Historiker Prokop Tomek im profil formuliert, „in der man sich Hoffnungen machen konnte“.

Den ersten Kontakt mit dem tschechischen Geheimdienst soll Zilk 1965 gehabt haben – genau zwischen den beiden legendären Stadtgesprächen. Das war jene Diskussionsreihe, die Zilk aus Prag senden konnte.

Infos aus dem engen Kreis der SPÖ
In der Folge soll Zilk Informationen aus dem inneren Kreis der SPÖ, zur Außenpolitik der neuen ÖVP-Alleinregierung und zur österreichischen Haltung in der Frage der Restitution der Altösterreicher geliefert haben. Auch nachdem er im März 1967 Fernsehdirektor des neuen ORF geworden war, soll Zilk seine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst fortgesetzt haben.

Brenzlig für Zilk soll es nach dem Aus des Prager Frühlings geworden sein: Die drei Kontaktleute Zilks liefen mit der Machtübernahme durch die Sowjetunion in den Westen über. Und diese Agenten sollen auch vom US-Geheimdienst CIA „abgeschöpft“ worden sein. Fazit: Der CIA meldete die Causa an die österreichische Staatspolizei. Aufgeflogen ist Zilk unerklärlicherweise trotzdem nicht – und das obwohl er von den Staatspolizisten befragt worden war.

Akt verschwunden
Ganz sicher wird der Verdacht indes wohl nie bewiesen werden können: Der Stapo-Akt Helmut Zilk ist nämlich bis zum heutigen Tage verschwunden.

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