Angeklagter leugnet jegliche Schuld

Israilov-Prozess

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Angeklagter leugnet jegliche Schuld

Über sieben Stunden ist am Mittwoch der Hauptangeklagte im Israilov-Prozess einvernommen worden. Seine Befragung wurde um 16.30 Uhr abgebrochen. Morgen, Donnerstag, wird sie fortgesetzt, was den Prozessfahrplan bereits am zweiten Verhandlungstag gehörig durcheinanderwirbelte. An sich hätten am Mittwoch alle drei Angeklagten abschließend vernommen werden sollen.

 Enger Vertrauter
  Otto K. (42), ein angeblich enger Vertrauter des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow und laut Anklage mit der Planung der beabsichtigten Entführung und Ermordung von Umar Israilov betraut, versicherte den Geschworenen: "Ich habe mit dieser Tragödie nichts zu tun."

Bestreitet Schuld  
Der Mann bestritt entschieden, am Vorabend der Bluttat im niederösterreichischen Sollenau unter anderem mit den Männern den Tatablauf besprochen zu haben, die Israilov ursprünglich überwältigen sollten und diesen dem Staatsanwalt zufolge dann deshalb zu Tode brachten, weil sich der 27-Jährige heftig zur Wehr setzte. Er sei zwar mit dem Zweitangeklagten Suleyman D. und Letscha B., der auf Israilov die tödlichen Schüsse abgegeben haben soll, zu einer Werkstatt gefahren, habe das Auto aber gar nicht verlassen: "Ich hatte zu viel getrunken. Ehrlich gesagt wollte ich nicht, dass man mich in dem Zustand sieht."

   Zweck des Treffens sei die Bereinigung eines Streits gewesen, den der mit ihm befreundete Letscha B. mit einem Landsmann um eine Frau hatte. Er habe "laute Schreie" mitbekommen und "viele Leute" gesehen, sagte Otto K.: "Vielleicht hab' ich auch nur geträumt. Ich war betrunken, es war Nacht."

 Alkohol
  Dass sich Suleyman D. und Letscha B. am 13. Jänner 2009 mit seinem Volvo nach Wien begaben, um die Adresse von Israilov aufzusuchen, stellte Otto K. als alltäglichen Umstand dar: "Alle Leute, die mich kennen, können bestätigen, dass ich immer wieder mein Auto hergeborgt habe. Es war nicht einmal nötig, mich zu fragen." Seine Freunde hätten einfach den in seiner Wohnung herumliegenden Autoschlüssel an sich genommen, während er noch alkoholisiert im Bett lag. Er habe nicht einmal geahnt, dass die beiden nach Wien fuhren.

Verdächtige Telefonate
  Dass er den Feststellungen der Polizei zufolge vor der Bluttat ständig Telefonate mit den weiteren beiden Angeklagten und anderen, möglicherweise in den Mord an Israilov verwickelten Männern führte, tat der Erstangeklagte mit der Bemerkung ab, es habe sich dabei um "ganz gewöhnliche Gespräche" gehandelt: "Vielleicht hat es mit dem Neujahrsfest zu tun gehabt." Teile der von der Polizei vorgenommenen Rufdaten-Auswertung bezeichnete der Angeklagte als "nicht richtig. Ich bedanke mich beim Hersteller dieser Tabellen."

   Otto K. betonte, der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow habe "mit der Tragödie nichts zu tun". Er erklärte den Geschworenen, den Staatschef zuletzt im Dezember 2008 anlässlich einer Reise nach Tschetschenien getroffen zu haben. Er hätte regen Kontakt zu zahlreichen tschetschenischen Flüchtlingen in Österreich, sei für diese als "Friedensstifter" tätig und von diesen immer wieder gefragt worden, ob die in westlichen Medien kolportierten Berichte über Tschetschenien den Tatsachen entsprächen.

"Lügen"
  Also habe er sich selbst ein Bild machen wollen, erläuterte der Erstangeklagte: "Ich wollte der Welt zeigen, was in Tschetschenien wirklich passiert." Seit seiner Flucht im Jahr 2006 habe er "nur Negatives" vernommen. Was er an Ort und Stelle zu sehen bekam, unterscheide sich davon "wie Himmel und Erde". Das Land sei großteils wieder aufgebaut, was angeblich systematische Menschenrechtsverletzungen betrifft, "sage ich nicht, dass das stimmt, solange ich das persönlich nicht gesehen habe". Wahrgenommen habe er diesbezüglich jedenfalls nichts. Er trete "allen falschen Behauptungen, die hier verbreitet werden, damit der Krieg dort weiter geht und die Situation in Tschetschenien destabilisiert wird", mit Nachdruck entgegen: "Zu 90 Prozent sind das Lügen."

   Zu seiner persönlichen Beziehung zu Kadyrow befragt, meinte Otto K., er kenne diesen seit 1998 "persönlich sehr gut". Zu "Ramsan" bestehe eine "freundschaftliche und enge" Bindung. Nach seinem bisher letzten Gespräch mit dem tschetschenischen Staatschef habe er beschlossen, in Österreich ein Kulturzentrum zu errichten, "damit unsere junge Generation hier eine Beschäftigung hat".

   Auf die Frage, ob Kadyrow politische Gegner "mundtot" mache, erwiderte der Erstangeklagte: "Ich habe ihn das gefragt. Er hat gesagt, er sei heute von Gott als Vater seines Volkes eingesetzt und dass er alles Nötige tun wird, dass die tschetschenische Republik endlich ein würdiger Staat wird." Kadyrow habe ihm versprochen, er werde "alles versuchen, eine starke demokratische Republik zu schaffen".

   Verteidiger Rudolf Mayer, der Otto K. vertritt, will neben dem tschetschenischen Präsidenten auch den russischen Regierungschef Vladimir Putin zeugenschaftlich befragen, da Kadyrow als dessen "Statthalter" in Tschetschenien gilt. Einen entsprechenden schriftlichen Beweisantrag wird Mayer bis kommenden Freitag bei Gericht einbringen.
 

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